Gastgeber SV Böblingen gewinnt das 45. Hallenturnier am Murkenbach durch ein 4:1 im Finale gegen Ehningen – VfL Sindelfingen Dritter vor Waldenbuch
Die Überraschungsmannschaft TSV Ehningen wurde am späten Mittwochabend beim 45. Hallenfußballturnier am Murkenbach erst im Finale von Gastgeber SV Böblingen I gestoppt, der sich mit einem überlegenen 4:1 den FX Brunner-Cup schnappte.
Es war schon der zweite starke Auftritt der Böblinger unterm Hallendach nach Platz zwei in Herrenberg. Dritter wurde Verbandsligist VfL Sindelfingen durch ein 2:1 gegen Titelverteidiger TSV Waldenbuch.

Gefordert war Turnierleiter Dieter Schneider, der mit dem Verlauf insgesamt und auch der Gewöhnung an die neuen Futsal-Regeln zufrieden sein konnte, schon bevor der Ball am Finaltag rollte. Fortuna Böblingen, die sich mit zwei Mannschaften fürs Weiterkommen qualifiziert hatte, konnte nur ein Team stellen. „Krankheits- und verletzungsbedingt“, bedauerte Vorsitzender Marko Tokic. Auf der Suche nach Ersatz handelte sich Schneider erst bei der eigenen zweiten Mannschaft und dann auch beim Türk SV Herrenberg eine Absage ein – die Zeit war für beide zu kurz, um genügend Spieler zusammenzutrommeln. Damit ging die Zwischenrunde nur mit elf statt zwölf Mannschaften über die Bühne – auch eine Premiere im 45. Jahr der Austragung.

Zwischenrunde: Bevor SV Böblingen I und TSV Ehningen das erste Mal überhaupt ranmussten, die Partie gegen Fortuna Böblingen II wurde jeweils mit 3:0 gewertet, war der VfL Herrenberg in Gruppe eins nach zwei Niederlagen bereits draußen. Im Spiel um Platz eins hätte der Böblinger U19 ein Unentschieden genügt, doch auf Mark Schildt von Titelverteidiger TSV Waldenbuch war Verlass, zwei Sekunden vor Schluss netzte der Torjäger, der sich in seiner offensiv ausgeübten Rolle als Torhüter pudelwohl fühlte, zum 3:2 ein. Ein Tor mit Folgen, denn damit gingen die Schokoladenstädter im Viertelfinale dem VfL Sindelfingen aus dem Weg.

Fortuna Böblingen wollte eigentlich mit einem Mix aus erster und zweiter Mannschaft antreten – ging aber regeltechnisch nicht. Deshalb blieben am Ende nur fünf Feldspieler plus mit Robert Krülle zwischen den Pfosten ein Ü40-Routinier übrig. Kapitän Gökhan Akyüz war krank, Maikel Boric und Ismail Isik fehlten berufsbedingt. Deshalb war auch nicht mehr drin als das 2:4 gegen den SV Rohrau und das knappe 1:2 gegen den TSV Schönaich, der sich im Bezirksliga-Duell gegen die Rohrauer mit einem 3:1 den Gruppensieg sicherte.

Das spektakulärste Spiel der Zwischenrunde lieferten sich TSV Dagersheim und Verbandsligist VfL Sindelfingen, der neben seiner ohnehin schon nominell starken Truppe aus der Vorrunde auch noch einen Neuzugang mitgebracht hatte: Noah Lulic, Sohnemann des langjährigen VfL-Leistungsträgers Enes Lulic, der in der Winterpause von den A-Junioren des SGV Freiberg gekommen war. Sindelfingen führte schon 2:0, lag plötzlich 2:3 hinten, gewann aber noch 4:3. Das Dagersheimer 2:1 zuvor gegen den KSC Böblingen durch ein Last-Second-Tor, nachdem der KSC kurz davor eine Hundertprozentige verdaddelt hatte, war aber schon mehr als die halbe Miete fürs Weiterkommen, denn der KSC – diesmal mit Hallenfuchs Hakan Cakmak als „fliegendem Torhüter“, der in der Vorrunde noch wegen einer Erkältung fehlte – musste nach dem 1:5 gegen Sindelfingen passen.

In Gruppe vier machten SV Böblingen I und TSV Ehningen die ersten beiden Plätze unter sich aus, mit der 3:0-Wertung gegen Fortuna Böblingen II ließ es sich auch unbeschwert aufspielen. Oder auch eher uninspiriert, denn beim 1:5 brachten die Ehninger kein Bein auf den Boden und machten damit da weiter, wo sie am Vortag aufgehört hatten. „Touristentruppe“, hatte Trainer Zeljko Milcic da schon gegrummelt. Er sollte sich aber noch wundern.

Viertelfinale: Ausgeglichen und chancenarm ging’s zwischen TSV Waldenbuch und TSV Dagersheim zu, nach dem 0:0 war das erste Neunmeterschießen fällig. 6:6 stand’s nach den ersten zwei Durchgängen mit nur noch drei statt fünf Schützen, obwohl Waldenbuchs Keeper Daniel Fleischer dreimal mit der Hand dran war. Beim siebten Neunmeter blieb er gegen Tomislav Hlebec Sieger, Mark Schildt verwandelte – 7:6 für Waldenbuch. „Wir hätten das Spiel in den zwölf Minuten für uns entscheiden müssen“, meinte Dagersheim Trainer Besnik Gllogjani. „Wichtiger aber: Wir wollten ins Viertelfinale, das haben wir geschafft. Und verletzt hat sich auch niemand.“

Viel Mühe hatte der VfL Sindelfingen mit der Böblinger U19. Zwei Minuten vor Schluss wagte VfL-Keeper Alex Bachmann einen Ausflug, die SVB-Youngsters ließen ihn gewähren, bei Bachmanns Schuss hielt Noah Sautter noch den Fuß rein – 1:0 für den Verbandsligisten. Die Böblinger hatten durch Fabian Reiner und Felipe Jose Marques Moreira noch zwei gute Aktionen, waren auch nach einer Gelb-Roten Karte für Niko Klein 38 Sekunden lang in Überzahl, der Ausgleich blieb ihnen aber verwehrt. „Schade drum, ich kann meinen Jungs keinen großen Vorwurf machen“, sagte SVB-Trainer Stephan Tregel. „Wir hatten erstaunlich viel Ballbesitz, gegen diesen abgezockten Gegner hat aber die letzte Überzeugung gefehlt.“

Der TSV Ehningen wollte wohl die kritischen Worte seines Trainers Lügen strafen und zeigte sich gegen den TSV Schönaich stark verbessert, besaß auch die deutlich besseren Chancen durch Fabian Fais und Sadik Güzel, während Schönaich nur eine Möglichkeit durch Jason Ballad hatte. Fais und Güzel waren es dann auch, gegen die Schönaichs Keeper Darko Baic das Nachsehen hatte. Sein Trainer Mustafa Cakal nach dem 0:2: „Wir haben uns selbst geschlagen, weil wir viel zu hektisch waren. Die erfahrenen Spieler hätten die Jungen besser führen müssen. Immerhin war das aber erst unsere erste Niederlage in diesem Turnier.“ Freilich nur ein schwacher Trost nach dem vorzeitigen Aus.

Gesucht wurde im letzten Spiel der Halbfinalgegner des VfL Sindelfingen. Dabei scheiterten die Böblinger Daniel Fredel und Tim Kühnel zunächst an Rohraus Keeper Robin Jonas, während Simon Müsel mit dem ersten Schuss das 1:0 für den Außenseiter erzielte. Lag da etwa eine Überraschung in der Luft? Damir Kasapi gab die Antwort mit der Pike – 1:1. Danach ging’s Schlag auf Schlag. Besim Ramadani schlenzte den Ball ins lange Eck, Daniel Fredel – als ehemaliger Futsal-Nationalspieler mit den neuen Regeln bestens vertraut – verwandelte einen Freistoß direkt, als wirklich keiner damit rechnete, noch einmal Fredel nutzte ein Kasapi-Zuspiel – 4:1. Nils Schabernack gelang mit der Schlussirene das 4:2. „Der Klassenunterschied war deutlich zu sehen“, räumte Rohraus spielender Co-Trainer Matthias Franz ein, „vielleicht wäre mehr möglich gewesen, wenn wir das 1:0 länger halten.“

Halbfinale: Der TSV Ehningen war auf den Geschmack gekommen. Metehan Kizilagil und Fabian Fais ließen die ersten Gelegenheiten ungenutzt, Sadik Güzel brach mit einem verwandelten Neunmeter den Bann. Ein unglückliches Eigentor der Waldenbucher bedeutete das 2:0, und nachdem Mark Schildt nur den Außenpfosten traf, war der Widerstand des Titelverteidigers gebrochen. Metehan Kizilagil und Sandro Sieger erhöhten sogar noch auf 4:0. „In der Zwischenrunde waren wir richtig gut, im Viertelfinale schon einen Tick schlechter, im Halbfinale lief dafür überhaupt nichts mehr“, brachte Waldenbuchs Trainer Florian Seyfried den Auftritt seiner Mannen auf den Punkt. „Möglicherweise haben wir die Ehninger etwas unterschätzt, vier Tore waren wir allerdings auch nicht schlechter.“

Vielleicht schon das vorweggenommene Finale war das Prestigeduell SV Böblingen I gegen VfL Sindelfingen. Daniel Fredel verwandelte einen Freistoß locker-leicht – 1:0. Nach dem Ausgleich des Ex-Böblingers Christian Mijic sorgte Besim Ramdani unter gütiger Mithilfe von VfL-Keeper Alex Bachmann für die erneute Führung, ehe die Atmosphäre aufgeheizter wurde. Auf Sindelfinger Seite sahen Noah Sautter und Alexander Wetsch Gelb-Rot, Bachmann parierte danach einen Neunmeter von Fredel, war aber gegen Ramadani machtlos – 3:1. Der Vorteil der neuen Regeln: Sindelfingen war danach wieder vollzählig, verkürzte durch Raphael Molitor auf 2:3 und hatte danach noch zwei Minuten Zeit. Doch die Böblinger stellten sich richtig gut an. Erst klärte der Sindelfinger Kevin Schuster auf der eigenen Torlinie mit dem Kopf, doch der A-Jugendliche Labinot Dodoli und erneut Ramadani machten mit dem 5:2 den Deckel drauf. „Meine Jungs fühlen sich etwas benachteiligt“, war auch VfL-Co-Trainer Elvir Adrovic nicht mit allen Schiedsrichterentscheidungen einverstanden. „Unser Auftreten war insgesamt in Ordnung, geärgert hat mich aber, dass wir uns im Halbfinale von der Hektik anstecken ließen. Böblingen war aber auch einen Tick stärker.“

Endspiele: Für den überlegenen VfL Sindelfingen erzielte Christian Mijic im Spiel um Platz drei das schnelle 1:0, danach rettete der Pfosten gleich dreimal für Waldenbuch. Das 1:1 durch Daniel Qehaja fiel überraschend, doch VfL-Youngster Noah Lulic schoss seinen neuen Klub mit dem 2:1 verdientermaßen auf den dritten Platz.

Im Final gab’s ein Wiedersehen zwischen SV Böblingen und TSV Ehningen. „Alles unter fünf ist ein Erfolg“, blieb TSV-Trainer Zeljko Milcic angesichts des 1:5 in der Zwischenrunde bescheiden. Doch seine Truppe verkaufte sich gut, besaß durch Fabian Fais die erste Möglichkeit, ehe Besim Ramadani den Favoriten in Führung schoss. SVB-Youngster Labinot Dodoli schloss eine Einzelaktion erfolgreich ab – 2:0. Doch die Ehninger sorgten durch das 2:1 von Fabian Fais für neue Spannung, weil auf der Gegenseite Dodoli und André Esteves mit ihren Chancen zu leichtfertig umgingen. Herausragend wie schon im Halbfinale: Besim Ramadani. „Was er geleistet hat, sucht Seinesgleichen“, gab’s auch von Co-Trainer Matthias Schöll ein dickes Lob, „er hat’s herausgerissen.“ Ramadani nutzte einen Ehninger Ballverlust zum 3:1 und schloss die letzte, schöne Böblinger Kombination mit dem 4:1-Endstand ab, wurde damit sogar Torschützenkönig des Turniers. „Wir haben alle Spiele gewonnen, sind also ein hochverdienter Sieger“, freute sich Schöll. „Böblingen war die beste Mannschaft“, gab auch sein Gegenüber Zeljko Milcic unumwunden zu. „Das war sehr routiniert und abgezockt. Aber auch wir haben in den K.o.-Spielen überzeugt, kleine Fehler entschieden dafür das Finale.“