2:2 zwischen Böblingen und Nagold
Thomas Siegmund war der Erste, der seinem Trainerkollegen Armin Redzepagic nach dem 2:2 zur Meisterschaft gratulierte. „Die Glückwünsche nehme ich gerne an“, meinte der Coach des VfL Nagold, dem drei Spieltage vor Schluss bei neun Punkten Vorsprung und der um 29 Treffer besseren Tordifferenz gegenüber dem SV Zimmern der Titel in der Fußball-Landesliga, Staffel III, nur noch theoretisch zu nehmen ist.

Gleichzeitig gab Redzepagic die Komplimente gerne an den Trainer der SV Böblingen zurück: „Thomas Siegmund holt das Maximale aus seiner Mannschaft raus.“ Woher diese freundschaftliche Verbundenheit rührt? „Wir haben zusammen den Trainerschein gemacht“, so Redzepagic, „haben uns damals schon gut verstanden und tun das auch heute noch.“ Dass sie jetzt erst mal getrennte Wege gehen – Nagold im württembergischen Oberhaus, Böblingen weiter in der Landesliga – will Siegmund als ein Phänomen auf Zeit verstanden wissen. „Es ist nur ein Jahr, in dem wir uns nicht sehen“, verstieg er sich zu einer für ihn fast schon kühnen Vorhersage, gibt er sich doch nach außen sonst eher zurückhaltend. Gemeint war damit keineswegs, dass er den Nagoldern gleich wieder den Abstieg wünscht. Vielmehr war damit das eigene Ziel für die kommende Runde formuliert.

Am Samstag boten beide Mannschaften noch einmal beste Fußballunterhaltung. „Ein rassiges Derby, die Zuschauer sind auf ihre Kosten gekommen“, war Redzepagic angetan. „Beide haben gezeigt, dass sie zurecht da oben stehen, beide bringen viel Qualität mit.“ „Und wir haben die richtige Reaktion auf die drei vorangegangenen Niederlagen gezeigt.“ Nach denen sich die SVB vorzeitig aus dem Rennen um den Relegationsplatz verabschiedete.
Zwei klasse herausgespielte Tore durch Ramadani und Kizilagil

Böblingen erwischte den besseren Start, scheuchte den Tabellenführer einige Male durcheinander, ehe sich auch die Nagolder die ersten und auch klareren Möglichkeiten herausspielten. Dabei immer wieder im Blickpunkt: VfL-Torjäger Pascal Reinhardt, mit 28 Kisten die Nummer zwei in der Torjägerliste. Sein Kopfballaufsetzer ging knapp übers Tor, bei seinem Freistoß tauchte SVB-Keeper Jens Wolf rechtzeitig ins bedrohte Eck ab, und auch bei Reinhardts Versuch aus spitzem Winkel war Wolf auf dem Posten. „Böblingen war aber ebenfalls immer gefährlich“, räumte VfL-Trainer Redzepagic ein, „und hat uns dann auch mit einem Doppelschlag kaltgestellt.“ In der 30. Minute legte André Esteves den Ball von der Grundlinie mustergültig zurück, Besim Ramadani nahm aus 16 Metern mit der Innenseite ganz überlegt Maß – 1:0. 120 Sekunden später leitete Tim Kühnel ein Zuspiel von Daniel Knoll an den Sechzehner weiter auf Mert Kizilagli, der visierte das gleiche Eck an wie zuvor Ramadani – 2:0. Beide Tore waren richtig klasse herausgespielt. „Ein verdientes 2:0 zur Pause“, so Siegmund über seine unglaublich effektive Mannschaft.

Doch Nagold gab sich längst nicht geschlagen, machte viel Druck nach dem Wechsel. „Da sind wir phasenweise ein bisschen geschwommen“, gab Siegmund zu. Christoph Ormos hatte die erste Chance für den VfL, als er den Ball aus kurzer Distanz über die Querlatte zirkelte. Dafür unterstrich wieder einmal Reinhardt seine Extraklasse: Sein Heber über Jens Wolf bedeutete den Anschlusstreffer (60.), und nach 72 Minuten nahm er eine Flanke mit der Brust gekonnt an, verwandelte eiskalt – 2:2. Davor und danach verhinderte Jens Wolf gegen den auf der Außenbahn durchgebrochenen VfL-Youngster Chris Wolfer, bei Halbzeit eingewechselt, Schlimmeres. „Wir haben mit viel Herz gespielt“, freute sich Redzepagic über das Aufbäumen.

Einseitig war das Ganze aber keineswegs. Nach 55 Minuten wurde ein 20-Meter-Schuss von Daniel Knoll angefälscht und landete an der Querlatte, VfL-Keeper Bubacarr Sanyang hätte überhaupt keine Abwehrmöglichkeit gehabt. Tim Kühnel wurde aus spitzem Winkel im letzten Moment noch geblockt, ehe Max Frölich in der Schlussphase die große Chance zum Siegtreffer hatte. Bei einem raffinierten, flach in den Nagolder Strafraum trudelnden Freistoß von Daniel Knoll schaltete er am schnellsten, lenkte den Ball aber nur an den Pfosten (84.). „Beim Latten- und Pfostenschuss hatten wir zweimal Glück“, so Redzepagic. Für ihn war’s ein „leistungsgerechtes Unentschieden“, bevor er sich zum Feiern mit seiner Mannschaft in die Nagolder Kabine verabschiedete.

Für Thomas Siegmund war’s auf jeden Fall auch „ein sehr gutes Spiel“. Um dann aber doch der vermeintlich sicheren 2:0-Führung nachzutrauern. „Das 2:2 fühlt sich für mich ein bisschen komisch an“, hätte er gegen den Tabellenführer gerne gewonnen.

SV Böblingen: Wolf, Kalmbach, Ramadani, Kühnel, Knoll, Kizilagil (53. Hetzel), Hornung, Schragner, Frölich, Esteves (65. Kasapi), Raich. Tore: 1:0 (30.) Ramadani, 2:0 (32.) Kizilagil, 2:1 (60.) Reinhardt, 2:2 (72.) Reinhardt. Schiedsrichter: Schmid (Ehingen). Zuschauer: 220. Besonderes Vorkommnis: Gelb-Rot Hornung (SVB/88.) wiederholtes Foulspiel.