SV Böblingen beendet Saison auf dem dritten Platz – Tore durch Mosa El Arkoubi und Max Frölich
Auf ein Wiedersehen in der neuen Saison: Mit einem leistungsgerechten 1:1-Unentschieden gegen den als respektabler Dritter über die Ziellinie gegangenen Kreisrivalen SV Böblingen sicherte sich Landesliga-Dino FC Gärtringen auf direktem Weg den Klassenverbleib.
Einfach nur glücklich, dass das Ganze gut gegangen und keine Saisonverlängerung mit der Relegation notwendig ist („die wir verdient umschifft haben“), war hinterher ein sichtlich gelöster Gärtringer Trainer Hanjo Kemmler, auf dessen Schultern sich in den vergangenen Wochen eine zentnerschwere Last angesammelt hatte, die sein Team nach der denkwürdigen 1:7-Pleite gegen Bösingen Anfang Mai fast erdrückt hätte. „Da habe ich richtig Dampf abgelassen“, zeigte er sich im Nachhinein begeistert, wie sich die Truppe danach am Riemen gerissen hat und von den letzten fünf Spielen kein einziges verlor.

Während Kemmler dennoch „von einer insgesamt bescheidenden Runde“ sprach, fiel die Bilanz von seinem Gegenüber Thomas Siegmund wesentlich freundlicher aus. „Diese Platzierung hatte uns im Vorfeld niemand zugetraut“, konnte es der 27-Jährige verschmerzen, dass seinem Team auf der Zielgeraden etwas die Puste ausging. Denn von den letzten sechs Partien wurde nur noch eine einzige gewonnen. „Wir haben nicht nur in der Tabelle einen Sprung nach vorne gemacht“, stellte er mit Genugtuung fest, „die Truppe verfügt über einen großen Willen und viel Leidenschaft.“ Auch wenn der Kader zuletzt immer mehr zusammenschrumpfte. So stand am Samstag auch sein Name wieder auf dem Spielberichtsbogen. „Ich hoffe, dass es das letzte Mal war“, so Siegmund. Daneben hatte er mit Christian Krämer und dem gelernten Torhüter Jens Wolf, die beide in der Schlussphase eingewechselt wurden, nur noch zwei weitere Auswechselspieler zur Verfügung.
Marijo Milcic lässt sich beim 0:1 von einem 40-Meter-Freistoß überraschen

Improvisieren war also wieder einmal angesagt. So spielte beispielsweise Daniel Knoll an der Seite von Kapitän Fabian Schragner in der Innenverteidigung, die aber schuldlos war am frühen Rückstand. Das 1:0 in der 6. Minute muss dafür Torhüter Marijo Milcic auf seine Kappe nehmen. Bei einem 40-Meter-Freistoß von Schlitzohr Mosa El Arkoubi, den sein Coach Hanjo Kemmler später als „Geniestreich“ bezeichnete, rechnete der SVB-Keeper mit einer Flanke, war viel zu weit vor seinem Kasten und musste fast hilflos mitansehen, wie der Ball hinter ihm im Tor landete. „Am Anfang hat man schon gesehen, dass es für Gärtringen um viel mehr geht“, bekannte Thomas Siegmund, „bei uns lief zunächst nicht allzuviel zusammen.“ Deshalb war er auch heilfroh, dass sich sein Schlussmann nach 17 Minuten nicht noch einmal von El Arkoubi nach Vorarbeit von Leutrim Goxhuli ins Bockshorn jagen ließ.

Die Gäste verdauten danach den Schock des schnellen Rückstands immer besser. „Überragend gehalten“, schnaufte der FC-Trainer keine 120 Sekunden später tief durch, als Torhüter Fabian Seydt einen Kopfball von Mert Kizilagil nach gekonntem Zuspiel von Philip Kalmbach aus der Gefahrenzone beförderte. Die Partie nahm endgültig Fahrt auf, beide Teams hatten ihre Möglichkeiten. Der nach seinem Patzer nahezu fehlefreie Milcic lenkte nach 23 Minuten eine verunglückte Flanke von Lukas Zweigle im letzten Moment übers Gebälk, auf der Gegenseite nutzte der aufgerückte Außenverteidiger Max Frölich einen genau getimten Freistoß von Daniel Knoll (32.) zum 1:1-Ausgleich. Ein gefährliches Ergebnis für die Gärtringer, die bekanntlich nicht verlieren durften.

Nicht viel fehlte, und die Gastgeber wären aber doch mit einem Vorsprung in die Pause gegangen. Nach einem Freistoß von Leo Saku kam der Ex-Böblinger „Django“ Skrijelj zum Kopfball, doch wieder hieß der Spielverderber Marjio Milcic. „Wir wollten Böblingen ganz bewusst nach Wiederbeginn mehr Ballbesitz geben“, hoffte der Gärtringer Trainer, den einen oder anderen Nadelstich in Form von Kontern zu setzen. Doch daraus wurde in der Regel nichts, da sie zu schlampig angesetzt waren und gleichzeitig die SVB-Defensive einen immer sattelfesteren Eindruck machte. „Da hätte mehr kommen können“, stellte SVB-Trainer Thomas Siegmund fest, zeigte aber auch Verständnis dafür, dass am Ende einer langen Saison der Akku leer war und sein Team es nicht mehr schaffte, die verstärkte Gärtringer Defensivabteilung aus der Reserve zu locken. Dazu hätten die Böblinger aber auch in der einen oder anderen Situation mehr riskieren müssen.

Gärtringen beschränkte sich immer mehr darauf, das Ergebnis zu verwalten und über die Runden zu retten, heraus kam eine zweite Halbzeit ohne viele Höhepunkte. Zu Beginn war es El Arkoubi (47.), der erneut in Milcic seinen Meister fand. Danach dauerte es fast eine halbe Stunde, ehe es Böblingens Besim Ramadani (75.), der auf der Gärtringer Wunschliste steht, aus der zweiten Reihe versuchte. Bis zur 81. Minute hielten sich beide Seiten an den Nichtangriffspakt, als FCG-Schlussmann Fabian Seydt vor dem einschussbereiten André Esteves klären musste.

„Das 1:1 ist okay“, waren sich beide Trainer einig, die jetzt eifrig am Kader für die kommende Landesliga-Saison basteln werden, bevor auch sie die Sommerpause mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland genießen können.

FC Gärtringen: Seydt (1,5), Skrijelj (2), Zweigle (2), Cavcic (2), Borgia (1,5), Saku (2), Theurer (1,5), Önal (2/82. Kemmler), Goxhuli (2), Supper (1,5), El Arkoubi (1/90. Lühmann). SV Böblingen: Milcic (2), Kalmbach (2), Ramadani (2/82.Krämer), Kühnel (2,5/82. Wolf), Knoll (1,5), Kizilagil (2), Schragner (1,5), Frölich (1,5), Esteves (1,5), Raich (2), Fredel (2). Tore: 1:0 (6.) El Arkoubi, 1.1 (32.) Frölich. Schiedsrichter: Prigan (Esslingen). Zuschauer: 180. Bewertung: 1 = starke Vorstellung, 2 = Licht und Schatten, 3 = schlechter Tag.