„So ein Scheißspiel“, stapfte Trainer Thomas Siegmund missmutig über den Böblinger Kunstrasen, nachdem er seine Mannschaft ordentlich zusammengefaltet hatte. Die SVB kam in der Fußball-Landesliga, Staffel III, gegen den SV Seedorf über ein 3:3 nicht hinaus. Die Gretchenfrage hinterher: Hatte das Schlusslicht nur einen besonders guten Tag erwischt oder war seine Mannschaft tatsächlich so schlecht?

Die Wahrheit dürfte – wie immer in solchen Fällen – irgendwo in der Mitte liegen. Tatsächlich waren die Seedorfer über weite Strecken die bessere Mannschaft. Bissiger und auch geschickter in den Zweikämpfen, gefälliger im Spielaufbau, gefährlicher im gegnerischen Sechzehner. Bei Böblingen dauerte dagegen alles immer viel zu lange.

Nach sieben Minuten näherte sich die SVB dem gegnerischen Tor an. Ein Freistoß von Mahmoud Manna war aber viel zu flach, wurde geklärt – und plötzlich ging auf der Gegenseite die Post ab. Johannes Wernz ließ gleich zwei Böblinger ganz alt aussehen – 0:1. „So ein dilettantisches Gegentor“, war Siegmund zum ersten Mal angefressen. Seine Mannschaft bekam das Spiel zu keiner Zeit unter Kontrolle, leistete sich viele Abspielfehler und offenbarte immer wieder Abwehrschwächen. Torhüter Jens Wolf klärte gegen den frei vor ihm auftauchenden Ritzel gerade noch zur Ecke, bei Kitiratschky und erneut Wernz fehlte ebenfalls nicht viel. Nach Chancen also ein klares Plus für Seedorf, nach Toren stand’s zur Pause aber 1:1. Ein lichter Moment genügte dabei, als Fabian Schragner Mert Kizilagil in Szene setzte.

Nach dem Wechsel das Déjà-vu-Erlebnis: Der Böblinger Standard war wieder zu kurz, beim Konter kam keiner in den Zweikampf gegen Wernz, der die SVB fast im Alleingang schwindlig spielte, ein überlegter Rückpass, noch einmal quer gelegt auf Christoph Müller – 1:2 durch einen gekonnten Schlenzer (49.). „Jetzt beginnt die zweite Halbzeit genau wie die erste“, wähnte sich Siegmund im falschen Film. Zum erneuten Ausgleich benötigten die Gastgeber die wohlwollende Unterstützung des Schiedsrichters: Besim Ramadani fiel über Gäste-Keeper Steffen Werner, der Unparteiische deutete auf den Elfmeterpunkt – 2:2 durch Sascha Raich (67.). Wenig später ging’s bei Böblingen endlich mal schnell durchs Mittelfeld, Sascha Raich leitete den Angriff ein, schloss ihn auch erfolgreich ab – 3:2 (75.). Die kaum noch für möglich gehaltene Wende. Mahmoud Manna hätte mit dem vierten Treffer alles klarmachen können, stattdessen kam Seedorf tatsächlich noch einmal zurück. Bei der allerletzten, eher unübersichtlichen Aktion nach einem bereits zweimal abgewehrten Freistoß war Johannes Wernz – wer auch sonst – im Sechzehner sträflich frei – 3:3 (90.).
Nach dem dilettantischen Anfang ein sträflich fahrlässiges Ende

„Ich glaube, meine Spieler wissen nicht wie man sich verhält, wenn man eine Minute vor Schluss in Führung liegt“, schüttelte Thomas Siegmund nur noch den Kopf. „Dann klopfe ich den Ball auch mal weg oder spiele die Zeit runter. Stattdessen immer wieder diese Pässe ins Zentrum, wo sie für uns gefährlich werden.“

Mit einem Sieg hätten die Böblinger wieder den Anschluss an den Tabellenzweiten SV Zimmern hergestellt, so aber war’s nicht nur wegen des Sauwetters ein Tag zum Vergessen.

SV Böblingen: Wolf, Buscaglia, Kalmbach, Kizilagil (60. Hornung), Schragner, Esteves, Ramadani, Raich, Hetzel, Manna. Tore: 0:1 (7.) Wernz, 1:1 (37.) Kizilagil, 1:2 (50.) Müller, 2:2 (67. Foulelfmeter) Raich, 3:2 (75.) Raich, 3:3 (90.) Wernz. Schiedsrichter: Pittner (Jebenhausen/Bezgenriet). Zuschauer: 100.
Verwandte Artikel