SV Böblingen vergibt in Holzhausen zu viele Chancen – Zwei strittige Schiedsrichterentscheidungen
Da hatte die SV Böblingen den FC Holzhausen in der Fußball-Landesliga, Staffel III, vor allem im zweiten Durchgang so was von im Griff, brachte aber trotzdem nur ein 1:1-Unentschieden mit und verpasste es, zum Tabellenzweiten SV Zimmern aufzuschließen. „Zwei Punkte verschenkt, selbst schuld“, fasste Trainer Thomas Siegmund die 90 Minuten kurz und prägnant zusammen. Dabei sprach er hinterher von einer „sehr, sehr ordentlichen Leistung“. Sieht man von einem dusseligen Gegentor und der eklatanten Abschlussschwäche ab.

Warum der FC Holzhausen – für viele kaum nachvollziehbar – so weit unten steht, wurde an diesem Sonntagnachmittag deutlich. Der Vizemeister der Vorsaison hat ein paar ganz gute Einzelspieler, die gerne nach vorne spielen, aber nicht gerne verteidigen. Zudem ging den Gastgebern mit zunehmender Dauer immer mehr die Puste aus, ohne dass die Böblinger das allerdings nutzen konnten, weil sie einfach dieses verflixte zweite Tor nicht schossen.

Gründe für das unterm Strich viel zu magere 1:1-Unentschieden gab’s einige. Zum Beispiel die Fahrlässigkeit im Umgang mit den eigenen Möglichkeiten. Eine Buscaglia-Flanke pflückte Mert Kizilagil im Sechzehner prima runter, doch als er allein vor dem Tor abziehen wollte, versprang der Ball auf dem holprigen Rasen, sodass FC-Keeper André Maidel klären konnte. Eine Hereingabe von Marc Hetzel nahm André Esteves direkt, blieb aber ebenfalls an Maidel hängen. Ehe auch Sascha Raich in aussichtsreicher Position den Ball am Kasten vorbei schob. Drei Hundertprozentige im ersten Durchgang.

Dazu, und das war Grund Nummer zwei, kamen einige strittige Entscheidungen des Unparteiischen. Als Maidel ungestüm gegen Sascha Raich attackierte, den Böblinger zu Fall brachte, dabei vielleicht auch den Ball spielte, ließ Schiedsrichter Schöck (Leonberg) weiterspielen. Das roch zumindest stark nach Elfmeter. Und nach einem genau getimten Gassenball von Besim Ramadani umkurvte der von hinten heranstürmende Esteves schon den FC-Keeper, hatte nur noch das leere Tor vor sich, wurde aber durch die Fahne des Linienrichters zurückgepfiffen. Ein Abseits, über das sich auch die Holzhauser wunderten. In solchen Fällen wünscht man sich auch den Videobeweis bei den Amateuren. Nach der Pause hatte Marc Hetzel freie Bahn, wurde von hinten am Trikot festgehalten, riss sich los, schloss aber entnervt viel zu früh und scheiterte prompt an Maidel. „Ich habe auf Vorteil entschieden. Hätte ich abgepfiffen, hätte ich Rot zeigen müssen“, so Schiedsrichter Markus Schöck. „Was mir lieber gewesen wäre“, grummelte SVB-Trainer Siegmund, „dann wären wir rund 20 Minuten in Überzahl gewesen.“
Alte Weisheit bewahrheitet sich: Wer vorne nicht trifft, wird hinten bestraft

Und der dritte Grund, warum es nicht zum eigentlich hochverdienten Auswärtssieg reichte: Ein Gegentor, das sich die Böblinger selbst ins Nest legten. Genauer Cedric Hornung. Erst landete sein Freistoß aus der eigenen Hälfte beim Gegner (Siegmund: „Der Ball war höher als weit“), dann ließ er sich beim folgenden Konter auch noch überspielen – 1:0 für Holzhausen durch Dominik Bentele, passenderweise in der 45. Minute. Hornung vergrub den Kopf in seinen Händen – die Reaktion sprach Bände. „Das sagt viel aus über die Tore, die wir gerade kassieren“, meinte auch ein versteinerter Siegmund beim Gang in die Kabinen.

Womit sich einmal mehr die alte Fußballweisheit bestätigte: Wer vorne nicht trifft, wird hinten bestraft. Wobei es bei einem Freistoß an den Pfosten und einer Großchance von Iordache, der mit vereinten Kräften geblockt wurde, nachdem sich der freistehende Wissmann zu einem Querpass entschieden hatte, anstatt den Ball ins lange Eck zu schlenzen, auch schon vorher hätte klingeln können.

Nach Wiederanpfiff wurde die Böblinger Überlegenheit immer offenkundiger. Der Ball lief gut durch die eigenen Reihen, vor allem Rückkehrer Daniel Fredel fädelte viele gescheite Angriffe ein. Daniel Buscaglia scheiterte aus der zweiten Reihe an Maidel, Esteves wurde noch einmal wegen einer Abseitsposition gestoppt, die möglicherweise keine war, der nach vorne geeilte Philip Kalmbach drosch den Ball über den Kasten. Nur Sascha Raich traf zum 1:1, als er aus der Drehung das kurze Eck anvisierte und Glück hatte, dass der sonst so starke Maidel den Ball durch die Finger rutschen ließ. „Das war eigentlich unsere ungefährlichste Situation“, stellte Thomas Siegmund fest.

Und dann wäre es der SV Böblingen fast genauso ergangen wie in der ersten Hälfte. Sekunden vor dem Abpfiff tauchte plötzlich Apostol Muzac allein vor Jens Wolf auf, der rutschte auch noch weg, bekam das Schüsschen aber doch zu fassen. Nicht viel hätte also gefehlt, und die SVB wäre mit gänzlich leeren Händen nach Hause gefahren.

SV Böblingen: Wolf, Buscaglia, Kalmbach, Kizilagil (65. Kasapi), Hornung, Schragner, Esteves, Ramadani, Raich, Hetzel, Fredel. Tore: 1:0 (45.) Bentele, 1:1 (70.) Raich. Schiedsrichter: Schöck (Leonberg). Zuschauer: 120.
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