Offener Schlagabtausch beim 4:2-Derby-Sieg der SV Böblingen gegen den GSV Maichingen
Sehenswerter Start ins neue Jahr: Die SV Böblingen bezwang im Derby der Fußball-Landesliga, Staffel III, den GSV Maichingen nach munteren und temporeichen 90 Minuten mit 4:2. Als Zuschlag gab’s oben drauf noch zwei verschossene Foulelfmeter.
Fast wäre es der SV Böblingen dabei ergangen wie im Hinspiel. Damals führte sie 3:0 und musste sich mit einem 3:3 begnügen. Diesmal legte sie zwei Tore vor, kassierte aber noch vor der Pause den Ausgleich. „Diese Parallelen sind schon kurios“, konnte sich Trainer Thomas Siegmund ein Lächeln nicht verkneifen. „Dass wir dann aber doch noch zwei Tore zum 4:2 erzielt haben, spricht für die Mannschaft.“

Es ging gleich gut los für die Gastgeber. Nach 100 Sekunden landete ein Freistoß von Daniel Knoll beim sträflich ungedeckten Fabian Schragner, dessen Kopfball senkte sich unerreichbar ins lange Eck – 1:0. Böblingen war spielbestimmend, vom GSV kam erst mal wenig. Als Ekin Kör in den eigenen Sechzehner zurückeilte, bekam er von hinten den Ball an den Arm – Elfmeter. Nicht die letzte Entscheidung des Schiedsrichtergespanns, die beim GSV nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß. Ausgleichende Gerechtigkeit: Sascha Raich scheiterte an Timo Hammel, den Nachschuss setzte Daniel Fredel an die Latte. Dafür klingelte es nach 27 Minuten: Wiederum Knoll legte sich den Ball zum Freistoß zurecht, und wie an der Schnur gezogen schlug der Ball im Winkel ein. Dass der Torschütze nach seiner langen krankheitsbedingten Pause schon wieder von Beginn an auf dem Platz stand, kam einigermaßen überraschend. Nicht für seinen Trainer: „Wir hatten einen klaren Plan, übrigens auch bei Dejan Djordjevic, dass beide zum ersten Punktspiel wieder fit sind.“

„Wir waren bis dahin gar nicht richtig auf dem Platz“, ärgerte sich auf der Gegenseite Alfred Hatwieger, Vorsitzender des GSV Maichingen, „keine Aggressivität, die Böblinger darf man doch nicht so spielen lassen.“ Das sollte sich ändern. Einen Freistoß von Marius Güra ließ Marijo Milcic nach vorne abprallen, Filip Primorac staubte ab – nur noch 2:1 (31.). Und es sollte noch besser kommen für die Gäste. Eine Ecke von Güra verlängerte Primorac, der im zentralen Mittelfeld viele Kilometer machte, mit dem Kopf, Abdoul Goffar Tchagbele hielt am kurzen Pfosten ebenfalls den Kopf hin – 2:2 (43.). Das Spiel war wieder völlig offen. „Vielleicht waren die Böblinger nach dem 2:0 ein bisschen zu überheblich“, freute sich der GSV-Trainer, dass seine Mannschaft zurückgekommen war. Was sein Gegenüber so nicht stehen lassen wollte: „Das Kombinationsspiel ist unsere Art, Fußball zu spielen. Auch wenn wir es manchmal übertrieben haben.“ Und damit gegen die jetzt giftigeren Maichinger auf Granit bissen.

Nach der Pause benötigte die SV Böblingen eine Viertelstunde, um sich dem Gäste-Tor wieder anzunähern. Nachdem David Pinheiro einen Rückpass verstolperte, hatte Sascha Raich freie Bahn, zielte aber am Tor vorbei. Dann legte Raich auf für Daniel Fredel, der die Kugel über die Querlatte jagte. Maichingen versuchte es bei Ballgewinn schnell mit weiten Pässen auf den flinken Tchagbele, der aber zu oft auf sich allein gestellt blieb. „Da müssen wir noch kompakter werden, alles weiter nach vorne schieben“, sieht Hayer seine Mannschaft mitten in einem Lernprozess, „die Abstände sind einfach zu groß.“

Auf spielerische Lösungen setzte die SV Böblingen. Tim Kühnel machte nach seiner Einwechslung auf der linken Seite mächtig Dampf, ebenfalls ein glückliches Händchen bewies Thomas Siegmund mit der Hereinnahme von André Esteves. Seine erste Ballberührung überhaupt brachte das 3:2: Pinheiro schlug am Ball vorbei, Kühnel passte gedankenschnell nach innen, wo der Ex-Ehninger mit Hilfe des Innenpfostens den Rest besorgte (79.).
Noch zwei Elfer: Ramadani trifft, Güra scheitert an Marijo Milcic

Auf der Gegenseite bekam Vincent Kayser nach feinem Dribbling keinen Freistoß, obwohl er gleich mehrfach angegangen wurde, die nächste Schusschance hatte Dominik Stojvecic, doch das war kein Problem für Milcic. Böblingen hatte jetzt mehr Platz und nutzte ihn auch. Erneut leistete Kühnel die Vorarbeit, der aufgerückte Fabian Schragner scheiterte erst aus kurzer Distanz an Hammel, kam dann im Zweikampf mit Patrick Gurka zu Fall – wieder Elfmeter. Ausgerechnet Schragner, der beim GSV-Anhang längst in Ungnade gefallen war. Den Strafstoß übernahm Besim Ramadani – 4:2. Diesmal hatte Hammel keine Chance.

Es hätte trotzdem noch spannende fünf Minuten geben können. Denn nach einem Kopfball von Marcel Pross an den Pfosten kamen sich Schragner und Primorac beim Abpraller ins Gehege – und der Unparteiische zeigte zum dritten Mal auf den Punkt. Milcic machte sich beim Schuss von Güra ganz lang und fischte den Ball aus dem linken unteren Eck (88.).

„Ich bin trotzdem zufrieden“, sagte Gäste-Trainer Sven Hayer. „Mit dieser kämpferischen Einstellung hätten wir in der Vorwoche gegen Wittendorf gewonnen. Wir haben mutig nach vorne gespielt, auch mehr investiert, deshalb ist das für mich eine unverdiente Niederlage.“ Eine Einschätzung, mit der er bei seinem Trainerkollegen – verständlicherweise – auf keine große Gegenliebe stieß. „Aus dem Spiel heraus hatte Maichingen doch keine Torchance“, so Siegmund. Was ihm noch mehr gefallen haben dürfte: der nahezu vollständige Kader und vier Neuzugänge, die ihre Sache durch die Bank gut machten. „Solch eine Situation hatten wir noch nie in dieser Saison. Damit sind wir ganz gut aufgestellt.“

Wermutstropfen: Nur 200 Besucher wollten die 90 Minuten auf dem Kunstrasen sehen, bestimmt das Zwei- oder Dreifache an Fans saßen davor ein paar Meter weiter in der S-Bahn Richtung Mercedes-Arena. Wenn der VfB sonntags spielt, gucken die Amateure in die Röhre. Auch wenn der Unterhaltungswert in Böblingen mit sechs Toren und zwei Elfmeter-Nieten vielleicht größer war als die Nullnummer des VfB.