Die Schreckensbilanz der SV Böblingen im Bezirksderby der Fußball-Landesliga, Staffel III: 0:2 in Gechingen verloren, damit die große Chance ausgelassen, dem Tabellenzweiten Zimmern bis auf zwei Punkte auf die Pelle zu rücken, Daniel Fredel verletzt und Rot für Torhüter Jens Wolf. Schlimmer geht’s nimmer.
„“Böblingen hatte vielleicht mehr vom Spiel, gehört sicherlich auch zu den spielerisch stärksten Mannschaften der Liga“, stellte Sportfreunde-Trainer Benjamin Maier fest, „ist aber kaum zu zwingenden Chancen gekommen.“ Woran das lag? „An uns natürlich. Wir haben die Räume zugemacht, sind sehr kompakt gestanden. Und läuferisch war das eine überragende Leistung.“

Sein Gegenüber Thomas Siegmund schaute eher bedröppelt drein. Die Steilvorlage hatte ausgerechnet Schlusslicht SV Wittendorf mit dem 4:2 am Vortag gegen Zimmern geliefert. Im besten Fall hätte die SVB innerhalb einer Woche Platz zwei übernehmen können, steht doch nach dem Nachholspiel am Mittwoch in Holzgerlingen am nächsten Sonntag das direkte Duell in Zimmern an. Doch schon die erste Hürde wurde zum Stolperstein. „Gechingen hat es aber auch gut gemacht und besser gespielt als wir“, räumte Siegmund ehrlicherweise an. Dazu stellten sich die Gäste irgendwie auch selbst ein Bein. Überraschung auf dem Spielberichtsbogen: Daniel Knoll und Fabian Schragner waren nur Ersatz. Torhüter Marijo Milcic stand dort ebenfalls drauf, tauchte aber erst im Laufe des Spiels auf dem Gechinger Sportplatz auf. Zur Erklärung: Milcic feierte seinen Junggesellenabschied, unter anderem auch Schragner und Knoll hatten sich dazu einen Ausflug nach Amsterdam ausgedacht, der erst am Sonntagfrüh zu Ende war. Nun ist ein Junggesellenabschied immer was Besonderes und soll natürlich auch gebührend gefeiert werden, aber irgendwie passte er überhaupt nicht zum Landesliga-Spielplan. Dass Siegmund Knoll und Schragner nur auf die Bank setzte, das zuletzt erfolgreiche Team damit auseinanderriss, bezeichnete er hinterher als „falsche Entscheidung“. „Auch wenn die Elf, die begonnen hat, immer noch genügend Qualität besaß, um Spiele zu gewinnen.“

Für diese giftigen, taktisch ungemein disziplinierten. zweikampf- und laufstarken Gechinger reichte das aber bei Weitem nicht. Die Böblinger kamen gar nicht dazu, ihr sonst so gewohnt passsicheres Kombinationsspiel aufzuziehen, weil ihnen schon bei der Ballannahme ein Gegenspieler in die Parade fuhr, dazu schien sich der eine oder andere auch für das falsche Schuhwerk entschieden zu haben. Manch schneller Antritt endete auf dem Hosenboden. Dafür fuhren die Gechinger immer wieder schnelle Konter, vor allem über die wendigen Steffen Honigmann und David Weinhardt, und tauchten damit viel öfters im Böblinger Sechzehner auf als ungekehrt.

Als Jens Wolf einen Freistoß verpasste, klärte Max Frölich in höchster Not, dann fischte sich Wolf, schon im Sitzen, den Ball von Weinhardt gerade noch mit einer Hand. Nach 26 Minuten spritzte Honigmann genau zwischen Max Frölich und Cedric Hornung in eine Flanke von Bastian Bothner – 1:0. Wieder nur wenig später legte erneut Bothner auf, diesmal visierte Honigmann den Pfosten an.
Daniel Fredel muss verletzt raus, und Jens Wolf sieht die Rote Karte

Die Gechinger waren griffiger, streuten allein durch ihre vielen Ballgewinne im Mittelfeld nach schlampigen Abspielen der SVB viel Sand ins Getriebe der Gäste. Bei Böblingen dauerte es über eine halbe Stunde, ehe Marc Hetzel den ersten vernünftigen Torschuss genau in die Arme von SF-Keeper Manuel Potemke abgab. Viel mehr passierte in der ersten Hälfte nicht vor ihm.

Möglichkeiten des Tabellendritten im zweiten Durchgang? Genau drei. Nach einem gelungenen Solo von Marc Hetzel war kaum einer mitgelaufen, Daniel Knoll zwirbelte den Ball aus 16 Metern am Dreieck vorbei, und eine Freistoßflanke von Knoll verlängerte Fabian Schragner, beide waren zur Pause eingewechselt worden, in die Mitte zu Philip Kalmbach, der die Kugel über die Linie drückte (81.). Doch der Linienrichter hatte die Fahne oben – Abseits oder Foul, so genau wusste das keiner.

Klarer war die Chance für Gechingens Abwehrchef Heiko Schmidt, dem im Böblinger Sechzehner nach einem viel zu kurzen Abwehrversuch der Ball auf den Fuß sprang, er aber zu überrascht war und das Leder am Kasten vorbei setzte. Dann traf Honigmann noch das Außennetz, ehe Marcel Voellmer in der 88. Minute allein auf Jens Wolf zulief, einen Tick eher am Ball war und am Fuß getroffen wurde. Beide Spieler wälzten sich auf dem Boden, der Unparteiische wollte erst auf Freistoß für Böblingen und Gelb für Voellmer entscheiden, ließ sich aber von seinem Linienrichter überzeugen und zückte Rot für Wolf.

Philip Kalmbach ging zwischen die Pfosten, wehrte den fälligen Freistoß ab, zog aber vernünftigerweise ein paar Sekunden später den Fuß zurück, als wieder Voellmer auf dem Weg zum zweiten und entscheidenden Treffer freie Bahn hatte, um nicht noch einen Platzverweis zu riskieren.

Das 2:0 für die Gechinger war verdient, die Sportfreunde bauten damit ihre Erfolgsbilanz auf jetzt sieben Spiele ohne Niederlage aus. Und die SV Böblingen? „An der Situation hat sich nichts geändert, wir haben wie vor dem Spiel fünf Punkte Rückstand auf Zimmern“, so Siegmund fast schon trotzig. Ob so eine Chance noch einmal kommt? Am Mittwoch spielt Zimmern in Nehren, die SVB muss nach Holzgerlingen. Auf jeden Fall ohne Jens Wolf und voraussichtlich auch ohne Daniel Fredel, der nach einer Stunde mit einer Rückenverletzung passen musste.

SF Gechingen: Potemke, Pretsch, Gräber, Bothner, Kielwein, Becker, Berberoglu (77. Carl), Honigmann (73. Voellmer), Kiwranoglou (65. Gehring), Weinhardt (86. Pellino), Schmidt. SV Böblingen: Wolf, Buscaglia (59. Esteves), Kalmbach, Ramadani, Kühnel (46. Knoll), Hornung (46. Schragner), Frölich, Mari, Raich, Hetzel, Fredel. Tore: 1:0 (26.) Honigmann, 2:0 (90.+3) Voellmer. Schiedsrichter: Packert (Dettingen/Erms). Zuschauer: 200. Besonderes Vorkommnis: Rot Jens Wolf (SVB/89.) Notbremse.