Fabian Schragner von der SV Böblingen wird für die meisten Berufungen in die „Elf des Tages“ während der abgelaufenen Saison ausgezeichnet
Nette Überraschung für Fabian Schragner: So viele Nominierungen in die „Elf des Tages“ wie der Innenverteidiger von Fußball-Landesligist SV Böblingen bekam kein anderer in der abgelaufenen Saison. Dafür wurde er von der KRZ-Sportredaktion mit einem Einkaufsgutschein in Höhe von 400 Euro ausgezeichnet.
„Das passt“, war seine erste Reaktion, „ich brauche sowieso neue Kickschuhe.“ Genau die gibt’s allerdings nicht bei Easy Sports von Inhaberin Andrea Hamann, dafür alles andere in Sachen Sport und Freizeitlook, wie der 27-Jährige bei der Preisübergabe in der Schönaicher Bahnhofstraße staunend feststellte. Und mit einem Schmunzeln: „Meine Freundin hat schon angekündigt, dass sie unbedingt dabei sein will, wenn ich den Gutschein einlöse.“ Da muss er wohl aufpassen, dass es für ihn auch noch reicht, denn Handballerin Julia Leibfried von der HSG Böblingen/Sindelfingen wird dort auf jeden Fall fündig.

Dass Fabian Schragner so eine gute Runde hatte, lag für ihn vor allem daran, „dass ich weitgehend verletzungsfrei geblieben bin“. Genau zwei Spiele musst er zuschauen, in der Vorrunde beim 5:1 gegen Freudenstadt und dem anschließenden 3:3 in Maichingen. Der Grund: ein Pressschlag im Training. In der Vergangenheit war das nicht immer so, da übertrieb er vielleicht seine Besuche im Sportstudio, „habe dort auch nicht richtig trainiert“.

Inzwischen ist er mit seinen bald 28 Jahren (im Juli) fast schon altersweise. „Man kennt seinen Körper. Wenn’s zwickt, lässt man auch mal ein Training aus.“ Den Rest besorgt Lisa Frasch, die Physiotherapeutin der SVB, die mit den manchmal wehleidigen Fußballern ganz gut umgehen kann, ist sie doch bei den Handballern der HSG Schönbuch, die sie ebenfalls unter ihren Fittichen hat, ganz andere Dinge gewohnt. Bei Schragner kommen allerdings noch zwei schwerwiegende Verletzungen aus der Vergangenheit dazu: jeweils ein Kreuzbandriss vor neun und elf Jahren. „Deshalb bin ich froh, dass meine Knie so gut halten.“

Die Landesliga-Saison der SV Böblingen würde er als „insgesamt gut in Anbetracht der Umstände“ bezeichnen. „Nagold war zu stark und mit diesem Kader das Nonplusultra, Zimmern hatte einen Christian Braun, der 41 Tore erzielte.“ Dahinter reihte sich die SVB auf Rang drei ein, allerdings mit gebührendem Abstand. „Wir hatten zwei Schwächephasen, jeweils zum Ende der Hin- und Rückrunde. Die hätten wir uns nicht erlauben dürfen.“ Ob es in der kommenden Runde zu mehr reicht? Da wird Fabian Schragner nachdenklich. „Das große Problem in Böblingen sind die finanziell beschränkten Möglichkeiten, die einfach nicht der hohen Erwartungshaltung entsprechen“, lässt er durchblicken. „Ich weiß, dass der Verein auch jetzt wieder mit Spielern geredet hat, die dann aber woanders hingehen.“ Beispiel Christian Mijic, der nach seinem Weggang zum VfL Sindelfingen kein ganz so erfolgreiches Jahr beim Verbandsligisten erlebte, sich jetzt wohl dem FC Gärtringen anschließt. Genau wie Böblingens Mittelfeldspieler Besim Ramadani, den die SVB liebend gerne behalten hätte. „Andere Vereine in der unmittelbaren Umgebung sind viel besser aufgestellt, das ist teilweise schon der Wahnsinn, was da geboten wird.“

Er selbst hat ebenfalls einen Anruf erhalten: von Calcio Leinfelden-Echterdingen aus der Verbandsliga Württemberg – ein Klub, bei dem nicht nur das Kleingeld bekanntermaßen ebenfalls recht locker sitzt. „Ich habe es mir nicht mal angehört“, war für Schragner das Gespräch schnell beendet. „Böblingen ist für mich immer noch eine Herzensangelegenheit. Genau wie für viele andere, die hier sind, die aber locker ein, zwei Klassen höher spielen könnten. Vor ihnen muss man den Hut ziehen, dass sie nicht weggehen.“
Tolles Stadion, aber finanziell eher beschränkte Möglichkeiten

Dabei hätte Böblingen doch so gute Voraussetzungen, das Stadion und das Umfeld seien einmalig. „Aber es sind einfach viel zu wenige da, die mithelfen, um sportlich wieder voranzukommen.“ Zuletzt hat wohl der sportliche Leiter Oskar Friedrich angekündigt, sein Engagement zumindest zurückzufahren. Auch spielermäßig überwiegt aktuell die Sollseite, denn neben Ramadani, Daniel Mägerle (GSV Maichingen), Christian Krämer (TV Echterdingen), Nadir Mari (zurück nach Israel) und dem bereits auf der Zielgeraden der Saison ausgestiegenen Daniel Buscaglia (ebenfalls FC Gärtringen?) werden auch Torhüter Jens Wolf (pausiert) und Damir Kasapi (KSC Böblingen) nicht mehr zur Verfügung stehen, hinter dem Verbleib von Mert Kizilagil steht noch ein Fragezeichen. Auf der Habenseite: Tayfun Sener, Kapitän des Bezirksliga-Dritten SV Althengstett, der in Böblingen wohnt und es künftig nur noch rund 500 Meter weit ins Stadion hat, zwei Eigengewächse aus der U19 sowie zwei junge Torhüter, Dominik Traub vom SSV Reutlingen und Rückkehrer Philipp Matz von der U19 des SGV Freiberg. Man braucht kein Rechenkünstler zu sein, um festzustellen, dass allein schon zahlenmäßig noch Handlungsbedarf besteht. Was Fabian Schragner aber nicht aus der Ruhe bringt: „In der Sommerpause kann und wird erfahrungsgemäß noch viel passieren.“

An ihm soll’s jedenfalls nicht liegen, dass die SVB noch ein bisschen weiter oben mitspielen wird. Als Innenverteidiger ist er sowieso eine Bank, als Torschütze inzwischen ebenfalls. Zwei Jahre hintereinander traf er jeweils acht Mal ins Schwarze, für einen Abwehrspieler eine ausgezeichnete Quote. „Was vor allem auch an den guten Standardsituationen von Daniel Knoll liegt“, weiß er, bei wem er sich dafür bedanken muss.

Für ihn selbst soll’s daneben auch vor allem beruflich vorangehen. Nach der Ausbildung zum Industriekaufmann schloss er vor knapp zwei Wochen sein Studium der Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt Personal, mit dem Bachelor ab. „Jetzt geht’s darum, Bewerbungen zu schreiben.“