Rekordergebnisse sind in der Fußball-Landesliga, Staffel III, fast schon an der Tagesordnung. Nur die SV Böblingen hält sich vornehm zurück. Auch gegen Schlusslicht FV 08 Rottweil reichte es nur zu einem mühevollen 3:2 – ein viel höherer Sieg wäre freilich möglich gewesen.
Dafür ballern die beiden SVB-Konkurrenten an der Tabellenspitze um die Wette. Der FC Holzhausen hat schon 46-mal getroffen, allein 19 Tore steuerte Janik Michael bei, bei Absteiger VfL Pfullingen sind es 40, 17 durch Dominik Früh. Und die SV Böblingen? 27 Treffer stehen auf der Habenseite, nachdem am Sonntag bei schmuddeligem Winterwetter drei dazukamen.

Für fast mehr Erstaunen als das eigene 3:2 sorgte deshalb hinterher die Kunde vom 9:3 des SSC Tübingen gegen Darmsheim. „Was? Für wen?“, lautete die erste Frage von SVB-Trainer Thomas Siegmund. Und nach kurzem Nachdenken: „So was kann uns derzeit nicht passieren.“ Denn eines zeichnet die Böblinger bislang sicher nicht aus: das Toreschießen. „Wir hatten allein in den ersten 25 Minuten vier Chancen. Und ich rede hier nicht von irgendwelchen halblebigen Möglichkeiten, sondern das waren hundertprozentige.“ Der bescheidene Spielstand im krassen Gegensatz dazu: nur 1:0.

Begonnen hatte das alles mit dem allerersten Angriff. Semih Emirzeoglu war frei durch, entschied sich fürs kurze Eck und scheiterte an Torhüter Marijan Huljic. Bei der nächsten Aktion war wieder Huljic der Spielverderber, als er einen Kopfball von Sascha Raich gerade noch über den Querbalken lenkte. Ehe wieder Emirzeoglu nach einem feinen Gassenball von André Esteves im Blickpunkt stand, diesmal aber am langen Eck vorbeizielte. Woran diese Abschlussschwäche liegt? Fehlende Konzentration, weiche Knie vor dem Tor oder eine Frage der Cleverness? Wahrscheinlich von allem ein bisschen. Vielleicht empfiehlt es sich mal, weniger nachzudenken und stattdessen einfach draufzuhalten. Auch wenn Thomas Siegmund als Begründung die „nicht ganz idealen Bedingungen“ anführte, mit denen er selbst Bekanntschaft gemacht hatte, weil er zuvor bei der zweiten Mannschaft (2:1 gegen Schönaich II) mitspielte. Wobei er sich fast wunderte, „dass überhaupt angepfiffen wurde“. Warum deshalb nicht gleich auf Kunstrasen, sondern im Stadion gekickt wurde? „Weil da gerade eine Stelle ausgebessert wird. Kein ganz optimales Timing.“ Ganz simpel sah es dafür nach 23 Minuten aus, als der freistehende Florian Mayer eine Flanke per Kopf einnickte – endlich das 1:0. Mayer und Esteves gehörten genauso zur Anfangself wie Tayfun Sener, gegenüber dem 0:1 in Holzgerlingen fehlten die verletzten Marc Hetzel und Mert Kizilagil, während Daniel Fredel erst mal auf der Bank Platz nehmen musste.

Das Spiel lief mit ganz wenigen Unterbrechungen immer in die gleiche Richtung. Der junge Semih Emirzeoglu hatte seinen dritten möglichen Treffer auf dem Fuß, schoss aber aus kurzer Distanz den auf dem Boden liegenden FV-Keeper an. „Wir hatten viel Glück“, räumte Rottweils Trainer Uli Fischer ein, „das Spiel hätte nach rund 20 Minuten schon entschieden sein können.“ Zu allem Überfluss aus Böblinger Sicht klingelte es dafür kurz vor der Pause auf der Gegenseite: Nach einem verhängnisvollen Fehlpass in der eigenen Hälfte war plötzlich Kevin Garcia frei durch – 1:1 (41.) Bahnte sich da schon wieder ein Zitterspiel an?
Doppelschlag von André Esteves sorgt für kurzzeitige Beruhigung

Nach der Pause schickte Siegmund seinen Kapitän Fabian Schragner von hinten nach vorne, ein Torjäger wird aus ihm aber auch nicht mehr. Die Böblinger kombinierten sich weiter munter durch die Rottweiler Reihen, doch in der Box, wie es im Fußballer-Neudeutsch heißt, also in Strafraumnähe, wurden sie entweder zu zögerlich oder zu kompliziert. Pech kam auch noch dazu, als ein klasse Kopfball von Philip Kalmbach knapp am Tor vorbeirauschte. Dafür zwirbelte André Esteves die Kugel irgendwie über die Torlinie, nachdem die SVB wieder einmal den Ball im Sechzehner von einem zum anderen geschoben hatte (61.) Nur vier Minuten später legte Daniel Knoll den Ball mustergültig für Schragner auf, der scheiterte am Keeper, Esteves staubte ab – 3:1 (65.). Sollte es doch noch ein kleines Schützenfest geben? Zu früh gefreut. Nach einem der weiten Bälle über die SVB-Abwehr eilte Torhüter Dominik Traub aus seinem Kasten, rutschte auf dem verschneiten Rasen aus, wieder Garcia nutzte die Slapstick-Einlage – nur noch 3:2 (69.).

Mehr passierte nicht mehr in der Böblinger Hälfte, auf der Gegenseite vergab Sascha Raich die letzte Möglichkeit, als Abdoul Goffar Tchagbele endlich mal nicht nur quer oder zurück spielte, sondern die Variante des Steilpasses wählte. Raich gegen Huljic hieß das Duell, der Rottweiler Torhüter blieb Sieger. „Kein Vorwurf an meine Mannschaft, wir haben alles versucht“, sagte FV-Trainer Uli Fischer. „Angesichts von vielleicht drei Chancen und zwei Toren waren wir sogar ausgesprochen effektiv.“

Was Thomas Siegmund nicht unbedingt über seine Elf sagen konnte. Viel wichtiger deshalb für ihn: „Wir haben die drei Punkte, nur das zählt, um weiter oben dabeizubleiben. Auch wenn wir viel zu wenig Profit aus dem Aufwand schlagen, den wie betreiben.“

Bereits am Donnerstag geht’s zum VfL Mühlheim – mit einem Sieg dort könnten die Böblinger sogar wieder Platz eins übernehmen, zumindest für ein paar Tage. Und dabei würde tatsächlich schon ein 1:0 reichen.

SV Böblingen: Traub, Sener, Kalmbach, Kühnel (46. Fredel), Mayer, Knoll, Emirzeoglu (65. Tchagbele), Schragner, Frölich, Esteves (82. Hornung), Raich (89. Djordjevic). Tore: 1:0 (23.) Mayer, 1:1 (41.) Garcia, 2:1 (61.) Esteves, 3:1 (66.) Esteves, 3:2 (69.) Garcia. Schiedsrichter: Lauber (Vaihingen/Enz). Zuschauer: 100.

Quelle: Kreiszeitung Böblingen