Daniel Knoll zieht sich eine schlimme Gesichtsverletzung zu
Klarer als erwartet meisterte die SV Böblingen in der Fußball-Landesliga, Staffel III, die vermeintlich hohe Auswärtshürde beim SSC Tübingen. Überschattet wurde der 4:1-Erfolg durch die schwere Verletzung von Mittelfelds
stratege Daniel Knoll.
Nach einem schlimmen Zusammenprall kurz vor der Halbzeit ging Knoll benommen zu Boden, musste mit einer klaffenden Wunde an der Lippe sofort ins Krankenhaus gebracht wurde. „Das war fast schon ein Loch im Gesicht“, zeigte sich Trainer Thomas Siegmund betroffen. In der Pause geriet er deswegen auch mit dem Tübinger Co-Trainer aneinander („ich habe ihm nur gesagt, dass sich sein Spieler für so ein Foul eigentlich auch entschuldigen könnte“), der Schiedsrichter wurde Zeuge des Wortgefechts, wertete das Ganze als Unsportlichkeit und verbannte den SVB-Coach fortan aus der Coaching-Zone.

Was sich angesichts der beengten Verhältnisse auf dem Tübinger Holderfeld so gravierend gar nicht auswirken sollte. „Schwierige Bedingungen, ekliges Wetter, spielstarker Gegner“, brachte Siegmund dann auch die 90 Minuten bei Dauerregen und Wind auf den Punkt. „Aber wir haben unsere Idee sehr gut umgesetzt.“ Was sich dahinter verbarg, war eine auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftige Formation. Daniel Knoll übernahm neben Philip Kalmbach den Part in der Innenverteidigung, Max Frölich rückte eins vor ins zentrale Mittelfeld, weil dort durch das Fehlen von Florian Mayer (Mittelfußbruch) und Daniel Fredel (mit dem DFB unterwegs) sowieso Not am Mann herrschte, Fabian Schragner sollte an ganz vorderster Front die Tübinger beschäftigen.

Das alles funktionierte schneller als gedacht. Nach acht Minuten kam Sascha Raich im Sechzehner zu Fall, verwandelte den fälligen Elfmeter gleich selbst – 0:1. Vom hochgelobten SSC kam lange Zeit nichts. Bilanz des Aufsteigers nach 45 Minuten: eine Strafraumaktion, als SVB-Keeper Marijo Milcic sauber gegen Dimitrios Katsaras klärte, zahlreiche Unsicherheiten in den hinteren Reihen und zwei falsche Einwürfe.

Das 0:1 war jedenfalls äußerst schmeichelhaft für die Gastgeber, weil die Böblinger wieder einmal großzügig mit ihren Chancen umgingen und der ohnehin nicht kleine Tübinger Keeper Julian Hornberger innerhalb von fünf Minuten auch noch mehrmals über sich hinauswuchs. Das war bei zwei Kopfbällen von Max Frölich und Philip Kalmbach sowie einer Direktabnahme von Fabian Schragner der Fall. Davor hatte auch Tim Kühnel zweimal die Möglichkeit zu erhöhen: Erst spitzelte er den Ball nur um Zentimeter am Pfosten vorbei, dann hätte er bei einer Flanke und einer „Hohle“ seines Bewachers einfach volley draufhalten sollen.

Nach dem Wechsel holte der Tabellenzweite Versäumtes nach. Raich legte für Mert Kizilagil auf, der überwand Hornberger mit einem trockenen Flachschuss – 0:2. Der Knockout für den SSC war dieser Treffer allerdings noch nicht. Der SSC wurde mutiger, wieder Katsaras scheiterte an Milcic, ehe Giuliano Dambone Sessa eine Flanke irgendwie ins Tor spitzelte – nur noch 1:2 (63.). Das versprach eine heiße halbe Stunde zu werden, ein Glück, dass Kalmbach und Frölich fast alles wegräumten, was in Richtung Böblinger Sechzehner flog.
Dodoli und Tchagbele sorgen für endgültig klare Verhältnisse

In der Schlussphase stellte sich der SSC selbst ein Bein. Oder anders ausgedrückt: Das frühe Erkennen der Situation und schnelle Anlaufen lohnt sich fast immer. Nach einem Tübinger Ballverlust Mitte der eigenen Hälfte, die so weit gar nicht vom eigenen Tor weg war, schnappte sich Youngster Alban Dodoli die Kugel, zog aus 20 Metern ab – 1:3. Den Schlusspunkt setzte Abdoul Goffar Tchagbele mit einem gekonnten Schlenzer in den Winkel, den „Störenfried“ hatte zuvor Semih Emirzeoglu gespielt, der das Ergebnis danach auch noch auf 5:1 hätte ausbauen können.

„Sauber zu Ende gespielt“, merkte Thomas Siegmund an. Und mit nachdenklicher Miene: „Mit dem Ergebnis bin ich natürlich zufrieden, auch wenn uns langsam die Spieler ausgehen.“ Neben Knoll erwischte es auch noch Mert Kizilagil (Verdacht auf Oberschenkelzerrung) und Kapitän Fabian Schragner (Schürfwunde). Und das ausgerechnet vor dem Gipfeltreffen am nächsten Samstag um 17 Uhr gegen den sich einfach keine Blöße gebenden Tabellenführer VfL Pfullingen. „Mal sehen, wer uns da alles zur Verfügung stehen wird“, muss Siegmund die Trainingswoche abwarten. Versprach aber auch: „Wir werden mit breiter Brust antreten.“

SV Böblingen: Milcic, Sener, Dodoli, Kalmbach, Kühnel (60. Esteves), Knoll (44. Tchagbele), Kizilagil (68. Djordjevic), Hornung, Schragner (83. Emirzeoglu), Frölich, Raich. Tore: 0:1 (8. Foulelfmeter) Raich, 0:2 (48.) Kizilagil, 1:2 (63.) Dambone Sessa, 1:3 (80.) Dodoli, 1:4 (84.) Tchagbele. Schiedsrichter: Wenzel (Friedrichshafen). Zuschauer: 149.

Quelle: Kreiszeitung Böblingen