Unpassender hätte der Zeitpunkt für die schlechteste Saisonleistung nicht sein können: Durch das blamable 0:0 in Rottweil verpasste es die SV Böblingen, den Rückstand auf Tabellenführer VfL Pfullingen in der Fußball-Landesliga, Staffel III, auf nur noch überschaubare zwei Punkte zu verkürzen.
Völlig perplex schaute SVB-Trainer Thomas Siegmund nach Spielschluss auf sein Handy, wo gerade das Gechinger 2:1 gegen Pfullingen aufploppte. Mit einem Sieg beim Schlusslicht wäre sogar die Meisterschaft wieder ein Thema geworden, so aber dürften sich die Pfullinger über das torlose Unentschieden ihres Verfolgers schlapp gelacht haben. Fahrlässig war es, wie die SVB mit dieser großen Chance umgegangen ist, fast schon dumm. „Da stimmt’s doch im Kopf nicht, wenn gerade in solch einem Spiel die letzten Prozentpunkte fehlen“, war auch Siegmund nicht gut auf seine Mannschaft zu sprechen.

Nun ist das kein spezifisch Böblinger Problem, auch die Stuttgarter Kickers standen zwei Klassen weiter oben beim 0:0 gegen das gleichfalls abgeschlagene Schlusslicht Spielberg völlig neben sich und laufen damit Gefahr, den Oberliga-Titel an den Bahlinger SC zu verspielen. Die Frage, die daraus resultiert: Warum schaltet eine Mannschaft im Bewusstsein, dass ihr der Gegner eigentlich nichts anhaben kann, freiwillig zwei Gänge runter? „Ich möchte es nicht unbedingt überheblich nennen“, so Siegmund eher reserviert, dennoch hätte er es lieber gesehen, die SVB hätte aus ihrer zweifellos vorhandenen spielerischen Überlegenheit mehr gemacht.

Zunächst kamen die Rottweiler auch kaum aus ihrer eigenen Hälfte. Ein Kopfballtreffer von Philip Kalmbach wurde wegen angeblichen Foulspiels zurückgepfiffen (5.), ein Schuss von Fabian Schragner nach einem Rückpass von Sascha Raich kurz vor der Torlinie geblockt (7.). Mit einer frühen Führung wäre die Partie vielleicht anders gelaufen, so aber passten sich die Böblinger immer mehr an. Kein Tempo, null Leidenschaft, überhaupt kein Willen, für klare Verhältnisse sorgen zu wollen – so wie es der Tabellensituation eigentlich entsprochen hätte. Auch wenn man angesichts des trostloses Gekickes eher den Eindruck gewinnen konnte, dass hier der Letzte gegen den Vorletzten spielt. Und dabei war es keineswegs so, dass die Rottweiler über sich hinauswuchsen. Ebenfalls bezeichnend für den völlig missratenen Samstagnachmittag: die vielen Rutschpartien auf dem Rasen. Merke: Auch die richtige Schuhwahl gehört zu einer vernünftigen Spielvorbereitung dazu.

Nach 45 Minuten war die Partie für Daniel Fredel beendet, er musste den Flieger für seinen nächsten DFB-Einsatz in Sachen Futsal erwischen. Für ihn kam Abdoul Goffar Tchagbele, der sich mühte, in dem völlig verkorksten Spiel aber auch keine Bäume mehr ausreißen konnte. Immerhin war er an der klarsten Böblinger Möglichkeit im zweiten Durchgang beteiligt: Im Sechzehner legte er für Fabian Schragner auf, doch FV-Keeper Marijan Huljic fischte den Ball irgendwie noch aus dem Winkel (62.). Danach dauerte es über eine halbe Stunde, bis noch einmal so etwas wie Torgefahr entstand, doch der 16-Meter-Freistoß von Daniel Knoll prallte in die Mauer.
Gedanken an die Relegation oder den Aufstieg verbieten sich von selbst

Dazwischen hatte die SVB sogar einige Male Glück. Als Keeper Dominik Traub einen weiten Freistoß verpasste, lag die Rottweiler Führung ebenso in der Lauft, wie nach knapp 70 Minuten, als Traub erst gegen den freistehenden Aaron Seßler parierte und der zweite Versuch von Seßler zur Ecke geblockt wurde. Noch einmal war Traub gefordert, als er gegen Sascha Mauch wenigstens den einen Punkt rettete. Chancenverhältnis nach der Pause: 3:1 für Rottweil – mehr als dieses 0:0 hatten sich die Böblinger am Ende auch nicht verdient. Die Kommentare der mitgereisten SVB-Anhänger nach dieser erschütternden Darbietung? Nicht druckreif.

Gedanken an eine mögliche Relegation oder sogar den Aufstieg verbieten sich nach solchen 90 Minten von selbst. Mit dieser Leistung ist die SV Böblingen Lichtjahre von der Verbandsliga entfernt. Angesichts des Personalpuzzles auch kein großes Wunder. Viele Verletzte (Marc Hetzel, Dejan Djordjevic, Max Frölich), dazu Leistungsträger, die entweder einen rabenschwarzen Tag erwischten oder schlichtweg überspielt sind, und überschaubar besuchte Trainingsabende – wenn sogar Ersatzkeeper Marijo Milcic nach 72 Minuten als Feldspieler eingewechselt wird, lässt das tief blicken. Auch für Thomas Siegmund ist das alles andere als zufriedenstellend: „Schön wäre es, wir hätten wieder einmal einen sauberen Trainingsbetrieb“, bringt er das Problem auf den Punkt.

Vier Wochen vor Saisonschluss kommt die SV Böblingen arg ramponiert daher.

SV Böblingen: Traub, Sener (58. Hornung), Dodoli, Kalmbach, Fredel (46. Tchagbele), Kühnel, Mayer (72. Milcic), Knoll, Kizilagil, Schragner, Raich. Schiedsrichter: Hilebrand (Kressbronn). Zuschauer: 120.
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Quelle:Kreiszeitung Böblingen