SV Böblingen gewinnt 2:1 in Darmsheim, hofft aber vergebens auf einen Pfullinger Ausrutscher – Relegation startet am Mittwochabend
Jetzt also doch: Platz zwei statt eins, Relegation statt der insgeheim erhofften Meisterschaft. Für die SV Böblingen geht die Saison in der Fußball-Landesliga, Staffel III, trotz des 2:1-Last-Minute-Sieges auf dem Darmsheimer Eichelberg in die Verlängerung, weil auch Tabellenführer Pfullingen in Zimmern 3:1 gewann.
Wiedersehen nach 13 Jahren: Für den stellvertretenden Böblinger Fußballabteilungsleiter Dieter Schneider war’s wie eine kleine Reise in die Vergangenheit. Mit keinen guten Erinnerungen. „Seitdem wir in der Saison 2005/06 das entscheidende Relegationsspiel um den Verbleib in der Verbandsliga gegen Hildrizhausen verloren haben, war ich nicht mehr hier oben auf dem Eichelberg. Und das ist ziemlich genau 13 Jahre her.“ Ob diese Zahl Unglück bringen sollte? Lange Zeit sah es danach aus, denn erst in der letzten Viertelstunde machten Dejan Djordjevic und Sascha Raich aus dem 0:1-Rückstand durch das unglückliche Eigentor von Max Frölich (58.) ein 2:1. „Souverän sieht anders aus“, grummelte Schneider im Laufe der wenig überzeugenden ersten Hälfte. Und hinterher schon wieder versöhnlicher: „Die letzte halbe Stunde nehmen wir jetzt mit in die Relegation.“

Ohne Handy und Live-Ticker geht nix: „Mit dem späten Siegtor haben wir uns vom Ergebnis her nix vorzuwerfen“, meinte SVB-Trainer Thomas Siegmund. Nicht auszudenken, Pfullingen hätte gepatzt, aber Böblingen hätte diese Steilvorlage nicht genutzt. Zwischendurch sah es eine Zeitlang fast danach aus. Allerdings muss man auch ehrlich zugeben, dass die SVB zu keinem Zeitpunkt während dieses Fernduells die Hand am Meisterwimpel hatte. Durch den Live-Ticker war man via Handy ständig auf dem Laufenden, was auf den anderen Sportplätzen passierte. Als Zimmern nach 28 Minuten durch Christian Braun in Führung ging, stand es auf dem Eichelberg noch 0:0, womit zwar der eine Punkt Rückstand aufgeholt war, Pfullingen aber das dank des deutlich besseren Torverhältnisses immer noch vorne lag. Kurz vor der Pause erzielte Lukas Linder den ersten seiner drei Treffer zum 1:1-Ausgleich des Tabellenführers, Böblingen bemühte sich nach wie vor vergeblich um die Führung, fast zeitgleich fielen dann sogar das 1:0 für Darmsheim und das 2:1 für Pfullingen. Umso ehrenwerter, dass sich die SVB nicht hängen ließ und alles daransetzte, um das Spiel trotz Unterzahl nach der unnötigen Gelb-Roten Karte für Daniel Fredel (45.) noch zu drehen.

Stolze Punktausbeute: „Ich bin sehr, sehr zufrieden“, machte Siegmund einen dicken Strich unter die Punktrunde. „Mit 70 Punkten können wir erhobenen Hauptes in die Relegation gehen. Mal schauen, was dort noch für uns möglich ist.“ In der Tat hätte diese Ausbeute in den vergangenen vier Jahren nur einmal nicht zum direkten Aufstieg gereicht. Meister wurden in der jüngeren Vergangenheit VfL Nagold (73), TSG Tübingen (62), VfL Pfullingen (68) und VfL Sindelfingen (64), auf Platz zwei landeten in diesen vier Spielzeiten SV Zimmern (60), FC Holzhausen (57), SV Zimmern (59) und VfL Pfullingen (61).

Wieder zwei Gesicher gezeigt: Dabei war diese letzte Partie in Darmsheim für die SV Böblingen fast so etwas wie ein Spiegelbild der Saison. Ganz starke Partien, vor allem in den Duellen mit den Spitzenteams, wechselten mit eher bescheidenen Auftritten, wenn es gegen die hinteren Mannschaften ging. Auch auf dem Eichelberg zeigte die SVB ihre zwei Gesichter: Erst verhalten, abwartend, fast schon phlegmatisch, sodass der Trainer seine Spieler auf der Bank – wie schon öfters in den vergangenen Wochen – nach einer halben Stunde zum Aufwärmen schickte und auch vor der Pause das erste Mal wechselte. „Wir haben das 1:0 in Zimmern mitbekommen, wollten mehr Druck machen“, begründete Siegmund diese eher ungewöhnliche Maßnahme, der Tayfun Sener (Siegmund: „Er hat bis dahin seine Sache gut gemacht“) zum Opfer fiel. Für ihn kam Tim Kühnel, später brachte der SVB-Coach mit Dejan Djordjevic und Abdoul Goffar Tchagbele auch noch seine geballte Offensivpower, die er, weil alle drei leicht angeschlagen, eigentlich schonen wollte. Und schon sah das Böblinger Kombinationsspiel ganz anders aus. Mit viel mehr Durchsetzungsvermögen und vor allem Tempo ging es fast nur noch in eine Richtung. Was Siegmund aber auch mit gewisser Sorge registrierte: „Der Kraftaufwand in Unterzahl gegen einen nicht ganz einfachen Gegner und bei diesen Emotionen, die im Spiel drin waren, war enorm.“ Was er damit eigentlich sagen wollte: Hoffentlich fehlen die Körner nicht beim Relegationsstart am kommenden Mittwoch, viel Zeit zur Regeneration bleibt nicht.

„Seehasen“ unterwegs: Eine Trainingseinheit steht bis dahin noch an, bevor es am Mittwoch um 13 Uhr im Bus nach Ravensburg geht. Gegner um 18 Uhr auf dem Sportgelände des TSB ist der Zweite der Landesliga, Staffel IV, der VfB Friedrichshafen. Der beendete den Dreikampf um Platz zwei gegen Rot-Weiß Weiler und den FV Biberach mit einem 5:0 gegen Absteiger FV Altheim. „Das ist eine klare Ansage“, nahm der stellvertretende SVB-Abteilungsleiter Dieter Schneider das Ergebnis zur Kenntnis. Was ihn ebenso beeindruckte: „Der VfB Friedrichshafen hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass er sich am Samstag die möglichen Gegner in der Relegation anschauen würde.“ Ob von den „Seehasen“ tatsächlich jemand in Zimmern und Darmsheim war?

Fahrplan steht fest: Ebenfalls die Relegation erreicht haben TSV Heimerdingen (Staffel I) und SV Bonlanden (Staffel II), die am Mittwoch in Leinfelden aufeinandertreffen. Die jeweiligen Sieger von Ravensburg und Leinfelden spielen am Sonntag (15 Uhr) entweder in Holzgerlingen oder in Baindt, der Gewinner dieser Partie bekommt es dann noch eine Woche später mit dem Fünftletzten der Verbandsliga zu tun, dem VfL Nagold. Der Austragungsort hier steht noch nicht fest. Drei Siege sind für Böblingen also nötig, um aufzusteigen.

Erst mal schlau machen: Was man im Böblinger Lager sonst noch über den ersten Gegner weiß? Nicht viel. Mit 66 Punkten hat er ein paar weniger als die SVB, von den 84 Toren (zehn mehr als Böblingen) gingen mehr als die Hälfte auf das Konto von Sascha Hohmann (21), Harun Toprak (14) und Dario Mirkovic (11). Spielertrainer ist Daniel Di Leo (35). der auch schon in der Oberliga beim FV Ravensburg und zuletzt fünf Jahre bei den „Seehasen“ kickte. Alles Weitere am Mittwoch auf dem Platz!

Quelle : Kreiszeitung Böblingen