Das fängt ja gut an: Nach Gelben Karten hatte die SV Böblingen mit 4:0 die Nase vorn, aber nach Toren – und die sind nun mal entscheidend – das Nachsehen. Das 0:2 zum Saisonauftakt in der Fußball-Landesliga, Staffel III, am späten und verregneten Sonntagabend beim FC Rottenburg ist ein echter und nicht unbedingt erwarteter Nasenstüber, wenn man sich die Ergebnisse der übrigen Aufsteiger Seedorf (1:6) und Wittendorf (3:5) anschaut, die in eine ähnliche Kategorie wie der SVB-Auftaktgegner gehören dürften. Das Fazit von Trainer Thomas Siegmund fiel entsprechend ernüchternd aus: „Das war sicher nicht das, was wir uns vorgestellt hatten.“

Das Gelbe vom Ei war die Böblinger Vorstellung schon im ersten Durchgang nicht. Die Rottenburger präsentierten sich wie ein typischer Aufsteiger, agierten robust, aber nicht unfair, standen tief und setzten auf ein schnelles Umschaltspiel, womit sie den Vizemeister der Vorsaison einige Male in Unruhe versetzten. Als Fabian Schragner seinem Gegenspieler in die Hacken lief, forderten die Gastgeber wegen angeblicher Notbremse die Rote Karte, der Schiedsrichter beließ es bei Gelb. Wenig später tauchte ein Rottenburger völlig frei vor SVB-Keeper Dominik Traub auf, vergab aber die bis dahin größte Möglichkeit. „Da hatten wir bereits Glück, nicht in Rückstand zu geraten“, so Siegmund. Von Böblingen kam nicht viel. Eine Eckballserie nach rund einer halben Stunde war der einzige Aufreger, ein Kopfball von Simon Lechleitner ans Außennetz die einzige Ausbeute. Von der zumindest phasenweise gezeigten Passsicherheit im Pokalspiel gegen Holzhausen (2:3) war nichts mehr übrig geblieben – Rottenburg brauchte nur auf die Fehler zu lauern, die der SVB bereits im Mittelfeld viel zu häufig unterliefen.
Kurioses 0:1 gleich nach der Pause fast von Höhe der Mittellinie

Zu allem Überfluss musste auch noch Neuzugang Endrit Syla wegen anhaltender Knieprobleme vorzeitig raus, konnte bis dahin aber auch keine Akzente setzen. „Wir haben es einfach nicht geschafft, unser gewohntes Spiel aufzuziehen“, war Siegmund beim Pausengang nicht zufrieden, „waren vor allem nach vorne nicht zwingend genug.“ Der vorläufige Tiefpunkt in der 47. Minute: Nach einem Böblinger Einwurf in der Mitte und einem verlorenen Kopfballduell hielt Daniel Wiedmaier knapp hinter der Mittellinie einfach mal drauf – 1:0 für den vermeintlichen Außenseiter. SVB-Keeper Dominik Traub schaute genauso verdutzt aus der Wäsche wie seine Vorderleute. Diese kuriose Führung spielte den Rottenburgern natürlich noch mehr in die Karten. Die Folge: Fast 80 Prozent Ballbesitz für die Gäste, aber lange Zeit einfach keine Möglichkeiten. Das änderte sich erst in der Schlussphase. Der durchgebrochene André Esteves scheiterte aus spitzem Winkel an FC-Torhüter Tobias Wagner, die nachfolgende Ecke führte zu einem Kopfball des eingewechselten Niklas Mayer, der abgefälscht wurde. Und dann probierte es auch Sascha Raich noch zweimal: erst drüber, dann vorbei – das war’s. Trauriger Schlusspunkt: Nach einem weit nach vorne geschlagenen Ball ging Traub im Herauslaufen gegen Ioannis Potsou ins Kopfballduell, der Rottenburger reagierte schneller – 2:0. Danach pfiff der Schiedsrichter die aus Böblinger Sicht eher trostlose Angelegenheit ab. „Daran haben wir einen nicht unerheblichen Anteil“, so Trainer Thomas Siegmund mit nachdenklicher Miene. „Wir müssen was tun, um das zu ändern.“

SV Böblingen: Traub, Lechleitner (66. Sener), Fredel, Knoll, Syla (34. Bushaj), Schragner, Frölich, Esteves, Raich, Baumeister (79. N. Mayer), Tchagbele (71. Djordjevic). Tore: 1:0 (47.) Wiedmaier, 2:0 (90.+4) Potsou. Schiedsrichter: Brabanski (Weilimdorf). Zuschauer: 150.

Quelle: Kreiszeitung Böblingen