Er ist einer von den leider immer weniger werdenden echten Typen auf den Sportplätzen, überall bekannt wie ein bunter Hund, der auch ganz ordentlich bellen kann. Rolf Kowalczyk ist seit Jahren Betreuer der Böblinger Landesliga-Fußballer und erster Gasttipper bei der am Wochenende wieder beginnenden Kreistipp-Meisterschaft 19/20.
„Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich zu dieser Ehre gekommen in“, blickt er auf seine Anfänge zurück. Erst hat er in der B-Jugend der SVB mitgeholfen, als sein Filius dort noch kickte. „Dann hat mich Toni Tridico gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Betreuer der ersten Mannschaft zu werden.“ Tridico war damals Abteilungsleiter, die Trainer hießen Zeljko Milcic und Mario Estasi. Rolf Kowalczyk ließ sich überreden, bekam in der Zwischenzeit auch Verstärkung, steht inzwischen aber wieder ganz alleine da. „Viele kommen und motzen nur rum.“ So einfach macht er es sich nicht.

Seine Aufgabengebiete: Sprudel besorgen unter der Woche, Kabine herrichten und hinterher alles wieder zusammenräumen. Dazu gehört, auch mal die Eckfahnen von Platz zwei rüber in den Tribünenraum zu tragen. Wobei er die Spieler im Laufe der Zeit erzogen hat, alle helfen mit. Müssen sie auch, um „ihren“ Rolf nicht auch noch zu verlieren. Das Verhältnis zur Mannschaft? „Super“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Die meisten kenne ich ja noch seit der F-Jugend.“ Die Situation im Verein? Eher bescheiden. „Die ersten vier, fünf Wochen werden schwer“, weiß er. Kaum Spieler da, viele Urlauber. Was für ihn auch nicht überraschend kommt. „Warum sollen die Kerle mit allem zurückstecken, wenn sie nicht das Gefühl haben, dass das in der SVB auch wertgeschätzt wird.“ Die Probleme sind bekannt: kaum ehrenamtliche Helfer, arg überschaubare finanzielle Verhältnisse. Die Hoffnung auf einen nicht völlig verkorksten Start hat der Mannschaftsbetreuer dennoch nicht ganz aufgegeben: „Dann müssen eben die anderen zeigen, was Sache ist, wenn von den Platzhirschen einige fehlen.“

Rolf Kowalczyk ist keiner, der ein Blatt vor den Mund nimmt. Nicht, wenn er auf anderen Plätzen vorbeischaut, nicht bei der SVB und erst recht nicht gegenüber seinen Spielern, die er auch mal ganz gerne zusammenfaltet. So wie nach dem Saisonauftakt in Rottenburg (0:2). Miserable Leistung, Dauerregen – und das alles in der siebten Liga an einem Sonntagabend ab 18 Uhr. Den Ausklang des Wochenendes hätte auch er sich angenehmer vorstellen können. Nicht viel besser war’s gegen Bösingen mit dem zweiten 0:2 und einer Darbietung, die wenig Hoffnung auf Besserung macht. Am Sonntag gegen Holzhausen tippt er daher eher vorsichtig (und gleichzeitig doch wieder optimistisch) auf ein 1:1, nachdem es im Pokal bereits eine 2:3-Niederlage setzte.

Gefrotzelt wird bei ihm aber auch über den ganz großen Fußball. Seit 37 Jahren ist er Bayern-Mitglied. Und Fan. Gerade jetzt fällt’s ihm besonders leicht, den VfB-Anhängern im SVB-Lager Kontra zu geben, „Auch wenn ich mir sogar das Stuttgarter 2:1 gegen St. Pauli am Samstag im Fernsehen angeschaut habe.“

Der 63-Jährige ist schon eine ganze Weile Rentner, hat freiwillig auf ein paar Euro im Ruhestand verzichtet, um früher gehen zu können. Dafür verdient er sich als Kurierfahrer nebenher was dazu. Denn wer rastet, der rostet, Dabei kommt er auch ganz schön rum. Hamburg, Toulouse und Turin heißen seine Stationen. Ein Freitagabend-Spiel seiner Böblinger hat er deshalb schon mal verpasst, auch die Aufstiegsrelegation in der vergangenen Runde an einem Mittwoch in Ravensburg (gegen Friedrichshafen). Gar nicht so kleiner Trost damals für die 2:4-Niederlage nach Verlängerung: Am selben Abend wurde er stolzer Opa.

Am Sonntag gegen Holzhausen ist er aber auf alle Fälle wieder dabei. Packt an, wo man ihn braucht, oder kommandiert halt die Spieler ein bisschen hin und her, wenn es ihm allein zu viel wird. Raue Schale eben, aber weicher Kern. Nach getaner Vorarbeit stellt er sich dann ein bisschen abseits der Trainerbank hin und steckt sich eine Fluppe an, seinen geliebten Glimmstängel. „Vom Rauchen komme ich einfach nicht weg“, bekennt er sich zu seiner großen Schwäche, „und an den Spieltagen sind es sogar ein paar mehr, weil ich so nervös bin.“ – Seine Tipps fürs Wochenende:
VfL Sindelfingen – TSV Berg 2:1 TSV Ehningen – FC Gärtringen 1:1 SpVgg Holzgerlingen – FC Rottenburg 2:0 SV Böblingen – FC Holzhausen (Joker) 1:1 TV Darmsheim – VfL Mühlheim 2:1 Türk SV Herrenberg – VfL Herrenberg 0:3 Fort. Böblingen – GSV Maichingen 1:1 TSV Waldenbuch – SpVgg Weil i. Sch. 3:1 TSV Kuppingen – TSV Hildrizhausen 2:0

Quelle: Kreiszeitung Böblingen