Sechs Minuten fehlten, um Tabellenführer VfL Nagold das dritte Unentschieden abzutrotzen. Durch das späte 0:1 und damit zweite verlorene Spitzenspiel in Folge hat die SV Böblingen den Anschluss an die Spitze der Fußball-Landesliga, Staffel III, verloren. Dabei wäre ein Punkt möglich und auch nicht unverdient gewesen.
Erst 2:4 gegen Zimmern, jetzt 0:1 in Nagold – zweimal war die SVB dicht dran, ging aber leer aus. „Man hat gesehen, dass wir oben mithalten können“, versuchte Trainer Thomas Siegmund seine Spieler gleich wieder aufzubauen. „Wichtig ist, dass daraus kein Durchhänger wird und wir nächsten Sonntag gegen Seedorf wieder in die Erfolgsspur zurückkehren. Wir haben noch vier Spiele in diesem Jahr, die wollen wir erfolgreich gestalten.“

Was fehlt der SVB noch für ganz vorne? Allenfalls Kleinigkeiten. Sie verfügt ebenso über die notwendige individuelle Klasse wie Nagold oder Zimmern, die dafür in punkto Ausgeglichenheit des Kaders Vorteile haben. Vor allem, wenn auf Böblinger Seite Spieler wie Daniel Knoll (krank), Daniel Buscaglia (gesperrt) oder Dejan Djordjevic (verletzt) ausfallen. Mit Tim Kühnel (zurück aus Gärtringen) und einem weiteren israelischen Neuzugang, dem zweiten nach Mahmoud Manna, versuchen die Verantwortlichen in der Winterpause diese Lücke zu schließen. Ein Schritt in die richtige Richtung war auch die schnelle Rückkehr von Futsal-Nationalspieler Daniel Fredel, der in Nagold überraschend in der Startelf stand, nachdem er sich erst am Donnerstag für die SV Böblingen entschieden hatte.

Eine halbe Stunde lang wirkten die Gäste vor rund 450 Besuchern sehr souverän. Der noch unbesiegte Tabellenführer mit seinem 36-Tore-Paradesturm wirkte seltsam gehemmt, behäbig im Spielaufbau, wenig zielstrebig. „Keine gute erste Halbzeit von uns“, gab VfL-Trainer Armin Redzepagic zu. Die Böblinger versteckten sich nicht, gewannen viele Zweikämpfe, liefen den Gegner immer wieder frühzeitig an und zwangen ihn dadurch zu Fehlern. Der größte unterlief Burak Tastan. Sein Rückpass war viel zu kurz, Marc Hetzel spritzte dazwischen und umkurvte den herauseilenden VfL-Keeper Sanyang. Das Tor war leer, der Winkel aber zu spitz – nur Außennetz (28.). Das hätte die verdiente Führung sein müssen. Erst danach tauten auch die Nagolder auf. Matze Rebmanns Flanke erwischte Luka Kravoscanec nicht voll, bei Raphael Schaschkos Freistoß fehlte nicht viel, Pascal Reinhardts Schuss von der Strafraumgrenze wurde gerade noch zur Ecke abgefälscht. Noch musste SVB-Keeper Jens Wolf nicht eingreifen, das sollte sich aber nach der Pause ändern. „Wir haben in der Kabine deutliche Worte gefunden und danach auch endlich mehr Herz gezeigt“, räumte Redzepagic ein. Die Nagolder Angriffsmaschinerie kam immer besser ins Rollen. Marco Quiskamp traf das Außennetz, Philip Kalmbach lief im letzten Moment Dominik Pedro ab. In der 63. Minute war auch Jens Wolf das erste Mal gefordert: Nach einem Querschläger von André Esteves, der nach vorne gute Aktionen hatte, setzte Rebmann zum Kopfball an, doch Wolf bugsierte den Ball über die Latte. Der Druck wurde immer größer. Jens Wolf setzte bei den vielen Flanken und Ecken zur gekonnten Flugshow an, Daniel Mägerle, der in der Viererkette gegen den besten Nagolder Matthias Rebmann einen schweren Stand hatte, rettete in höchster Not.

Dafür kam nach vorne in dieser Phase nicht mehr viel. Was auch an der Auswechslung von Marc Hetzel lag, mit ihm ging Böblingen viel Gefährlichkeit verloren. „Er hat in der ersten Hälfte einen Schlag aufs Knie bekommen, danach noch eine Viertelstunde auf die Zähne gebissen. Aber dann ging es nicht mehr“, so Siegmund.
Egzon Krajki hat Pech mit einem Lattenkracher in der Nachspielzeit

Nach einem verhängnisvollen Querpass brach VfL-Torjäger Pascal Reinhardt durch den Sperrriegel der Gäste, war auf dem Weg zu seinem 13. Saisontreffer, doch beim Abschluss versprang ihm der Ball. Glück für die SVB, das sie dafür nach 83 Minuten verlassen hatte. Der frühere Gärtringer Rebmann brach auf der rechten Seite durch, sein maßgeschneiderter Rückpass von der Grundlinie landete bei Luka Kravoscanec, der – umringt von vier Böblingern – zum 1:0 einschob. Ein Tor, das sich abgezeichnet hatte.

Trotzdem war die SV Böblingen noch nicht geschlagen. Bereits in der Nachspielzeit landete eine Mägerle-Flanke bei Egzon Krajki, der nahm den Ball mit der Innenseite blank und unterzog die Querlatte des Nagolder Tores einer echten Belastungsprobe. Zwei Zentimeter tiefer, und es hätte 1:1 gestanden. „Das war Glück für uns“, schnaufte VfL-Trainer Armin Redzepagic nach einem intensiven und hochklassigen Spitzenspiel tief durch. Die Nagolder haben sich damit schon um elf Punkte von Böblingen abgesetzt. Ein geknickter Thomas Siegmund: „Wir haben uns für die sehr, sehr ordentliche erste Halbzeit nicht belohnt.“

SV Böblingen: Wolf, Kalmbach, Mägerle, Hornung (87. Kizilagil), Schragner, Esteves, Ramadani, Raich, Hetzel (58. Krajki), Manna, Fredel (87. Kasapi). Tor: 1:0 (84.) Kravoscanec. Schiedsrichter: Brückle (Leopoldshafen), mit einer absolut souveränen Leistung. Zuschauer: 450.
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