Die SV Böblingen hat sich zumindest bis Samstag wieder die Tabellenführung in der Fußball-Landesliga, Staffel III, zurückerobert. Das 3:1 beim VfL Mühlheim war ein hartes Stück Arbeit, das vor allem in der Schlussphase noch einmal auf der Kippe stand. Erst in der Nachspielzeit machte Abdoul Goffar Tchagbele alles klar.
Allerheiligen einmal ganz anders: Eine für Landesliga-Verhältnisse halbe Weltreise ins Donautal, Serpentinen mitten in Mühlheim, bei denen sich der Fahrer des Mannschaftsbusses wie auf einem Alpenpass vorgekommen sein muss, dafür oben auf dem Ettenberg ein geradezu idyllisches Sportgelände. Dazu strahlender Sonnenschein, eine ansehnliche Kulisse und ein Bierpreis von rund zwei Euro – also überhaupt nix Gruseliges einen Tag nach Halloween.

„Puh, das zieht sich“, meinte auch SVB-Trainer Thomas Siegmund, der zum ersten Mal Station in Mühlheim machte. Nach zwölf Minuten schaute er schon wieder viel entspannter drein. Eine Ecke von Daniel Knoll segelte über den VfL-Keeper, Max Frölich stand dahinter goldrichtig, nickte ein – 0:1. Ein Abwehrspieler, der das erste Tor schoss. Der zweite etatmäßige Innenverteidiger, Fabian Schragner, war sogar als Mittelstürmer aufgeboten. „Weil uns ohne Hetzel, Raich, Kühnel und Kizilagil langsam die Stürmer ausgehen“, begründete Siegmund. „Er hat das auch gar nicht schlecht gemacht.“ Mehr als eine Notlösung kann es trotzdem nicht sein.
Fabian Schragner erst ganz vorne, dann wieder nach hinten beordert

In der Folge war die SVB die spielbestimmende Mannschaft, die ihre Angriffe allerdings mit zu viel Bedacht vortrug. Da fehlte das Tempo, vorne im Sechzehner auch der Schmackes. Schragner besaß noch eine Kopfball-Halbchance, dann servierte Daniel Fredel die Kugel Tayfun Sener in den Lauf, dessen flache Hereingabe wurde gerade noch vor Schragner abgewehrt. Ab und zu sah es nach richtig gutem Fußball aus. „Auch wenn wir uns schwertaten, Chancen zu kreieren“, räumte auch Siegmund ein.

Die Mühlheimer hatten dafür nur wenig Ballbesitz – und wenn doch, agierten sie zumeist zu hektisch. Mit einer Ausnahme: Nach 25 Minuten landete eine Faustabwehr von SVB-Torhüter Dominik Traub genau vor den Füßen von Simon Bauer, doch der war zu überrascht und setzte den Ball am Tor vorbei. Kurz vor der Pause wählte Semih Emirzeoglu bei einer Eins-gegen-eins-Situation einfach mal die unkomplizierte Variante und zog von der Strafraumkante knallhart ab. Der Schuss hätte gepasst, wurde aber zur Ecke abgefälscht.

Nach dem Wechsel änderte sich nicht viel am Spielverlauf. Bei Böblingen wurde Fabian Schragner wieder nach hinten beordert (Siegmund: „Wir mussten auf unserer rechten Abwehrseite umstellen“), die Mühlheimer agierten etwas stürmischer, ohne aber gefährlich zu werden. Nach 55 Minuten knallte Daniel Knoll einen Abpraller aus 16 Metern übers Tor, wenig später hatte auch Schragner die Möglichkeit zur Vorentscheidung, ehe die SVB durch einige Nickligkeiten den Gegner stark machte. Mühlheim drängte, Böblingen lauerte auf Konter. Eine Viertelstunde vor dem Ende legte Abdoul Goffar Tchagbele den Ball mustergültig auf für Daniel Knoll, doch diesmal köpfte Michael Großmann seinen Schuss von der eigener Torlinie. Dann fädelte wieder Knoll einen Angriff prima auf Semih Emirzeoglu ein, der Flankenwechsel landete bei Florian Mayer – und dessen Hereingabe fälschte Sebastian Gleich unglücklich zum 0:2 ins eigene Netz ab (79.).

Dass die SVB unmittelbar nach einem eigenen Treffer fast postwendend einen Gegentreffer kassiert, ist ihr in dieser Saison schon öfters passiert. „Wir haben die Flanke nicht sauber verteidigt“, schaute auch Thomas Siegmund kritisch drein. Philip Kalmbach kam danach einen Schritt zu spät, den vom souveränen Unparteiischen ohne zu zögern verhängten Foulelfmeter verwandelte Maik Schutzbach sicher – nur noch 1:2 (82.). Es drohten hitzige Schlussminuten zu werden.

Doch die SVB ließ sich nicht unterkriegen und auch nicht hinten reindrängen, hielt konsequent dagegen und setzte die entscheidenden Nadelstiche. Zweimal bereitete Cedric Hornung auf der linken Außenbahn vor. Das erste Mal sprang Semih Emirzeoglu der Ball zu weit vom Fuß, beim zweiten spitzelte Tchagbele die bereits abgewehrte Hereingabe über die Linie – 1:3. Die Frohnatur im SVB-Team durfte sich dafür die besonderen Glückwünsche seiner Mannschaftskameraden abholen.
Siegmund weiter nach Kroatien, Schneider bleibt gleich im Donautal

„Ein hartumkämpfter und ein wichtiger Sieg gegen eine Mühlheimer Mannschaft, die nie aufgegeben hat“, freute sich Thomas Siegmund, bevor er sich gleich weiter auf den Weg nach Kroatien zu einer privaten Hochzeitsfeier machte, zuvor aber noch Entwarnung im Falle von Dejan Djordjevic gab. Der stand in der Startelf, musste aber schon nach knapp 30 Minuten wieder runter. Und das ohne ersichtlichen Grund. Schon wieder verletzt also? „Nein“, beruhigte der SVB-Trainer, „das war so abgesprochen, wir wollen es nach der langen Pause behutsam angehen lassen.“ Auch der stellvertretende Abteilungsleiter Dieter Schneider freute sich über den Spielausgang, hängt er doch noch ein paar Urlaubstage im beschaulichen Donautal dran. „Wir haben Freunde hier“, sagte er. Und mit einem Schmunzeln: „Das Bier heute Abend schmeckt bestimmt ganz besonders gut.“

SV Böblingen: Traub, Sener (46. Tchagbele), Mari, Kalmbach, Fredel (78. Moreira), Mayer, Djordjevic (26. Emirzeoglu), Knoll, Schragner, Frölich, Esteves (72. Hornung). Tore: 0:1 (12.) Frölich, 0:2 (79.) Mayer, 1:2 (82. Foulelfmeter) Schutzbach, 1:3 (90.+2) Tchagbele. Schiedsrichter: Celkin (Weilheim/Teck). Zuschauer: 250.

Quelle: Kreiszeitung Böblingen