Nach dem 3:2 gegen Bösingen sieht die Tabelle für die SV Böblingen wieder viel freundlicher aus
So schnell kann’s gehen im Fußball: Nach den letzten beiden Niederlagen schien die SV Böblingen im Titelrennen der Landesliga, Staffel III, bereits ausgeschieden zu sein, seit diesem Wochenende macht der Blick auf die Tabelle Verantwortlichen und Spielern sicher wieder mehr Freude.
Was nicht nur am eigenen 3:2-Sieg gegen den VfB Bösingen lag. Den Rest steuerten die Konkurrenten mit ihren teilweise unerwarteten Punktverlusten bei. Der Rückstand auf Tabellenführer Pfullingen wiegt zwar immer noch schwer, dafür gibt’s einen kleinen Puffer zum Drittplatzierten Holzhausen. „Egal“, hat sich Trainer Thomas Siegmund bereits festgelegt, „wir wollen rauf – ob als Erster oder Zweiter.“

Nimmt man dafür die 45 Minuten vom Sonntag als Maßstab, stellt sich allerdings zwangsläufig die Frage, was die SVB wohl in der Verbandsliga verloren hat. „Eine gewisse Verunsicherung war da“, räumte Siegmund ein, „Bösingen hat das aber auch gut gemacht.“ Seine Mannschaft brachte fast 25 Minuten lang keinen Fuß auf den Boden, wirkte seltsam gehemmt und uninspiriert, Tempo schien zum Fremdwort geworden zu sein, jegliche Spielfreude war offenbar in den vergangenen 14 Tagen verloren gegangen.
Vor lauter Freude veranstaltet Tchagbele einen Striptease

Anders die Schwarzwälder, die mit ihrem Pressing für zusätzliche Verwirrung in den SVB-Reihen sorgten. Das 0:1 nach zwölf Minuten nach einer Ecke, als Michael Bantle eine Kopfballverlängerung am langen Pfosten ungehindert einschob, war ein Tor mit Ansage. Zuvor war SVB-Keeper Marijo Milcic Sieger im Eins-gegen-eins-Duell gegen Benedikt Bantle geblieben, danach brachte er das gleiche Kunststück gegen Dobricean fertig. Statt 0:3 nur 0:1 – und es sollte noch viel besser kommen für Böblingen. Ein feines Pässchen von Daniel Knoll schlenzte Mert Kizilagil ins lange Eck – das 1:1 wie aus dem Nichts (24.). Zu dem Zeitpunkt hatte Thomas Siegmund bereits seine komplette Auswechselbank zum Aufwärmen geschickt. Unmittelbar vor der Pause lenkte Abdoul Goffar Tchagbele eine Flanke von Cedric Hornung mit dem Kopf zum 2:1 ins Tor und sorgte danach für große Belustigung, als er sich kurzerhand die Hose auszog und zum textilfreien Jubeln ansetzte. „Er ist halt noch ein junger, aber auch extrovertierter Spieler“, nahm ihn Siegmund in Schutz. „Dass er dafür Gelb sah, war natürlich nicht förderlich. Eine weitere dumme Aktion hätte den Platzverweis bedeuten können.“ Sein Ratschlag deshalb an ihn mit einem Schmunzeln: Einfach mehr Tore schießen, dann würde auch die Freude darüber eine gewisse Routine kriegen. Tatsache war aber auch, dass selten einmal ein Halbzeitstand den Spielverlauf derart auf den Kopf stellte. „Wir hatten das Spielglück, das uns zuletzt fehlte“, gab Siegmund zu. Und stellte weiter fest: „Das Verhältnis zwischen Chancen und den erzielten Toren war äußerst konstruktiv.“ Im Klartext: Zwei Möglichkeiten, zwei Volltreffer – besser geht’s nicht.

Nach dem Wechsel zeigten die Böblinger einen wesentlich ansehnlicheren, aber noch längst nicht restlos überzeugenden Fußball, hätten bei einer 4:2-Überzahlsituation auf 3:1 davonziehen können, doch Tchagbele brachte beim Abschluss nur ein Schüsschen zustande. Bösingen blieb gefährlich, scheiterte aber erst an einer weiteren Glanzparade von Milcic und schaffte es dann, den Ball aus kurzer Distanz freistehend am SVB-Kasten vorbeizuschießen. „Wir hatten bestimmt noch vier, fünf herausragende Abschlussaktionen“, schüttelte VfB-Co-Trainer Manuel Bantle den Kopf. „Deshalb kann ich auch nicht viel Negatives über meine Mannschaft sagen, die Einstellung war sehr gut.“
Von einer Überzahl ist nicht viel zu sehen

Auch nach dem 3:1 durch einen von Sascha Raich souverän verwandelten Foulelfmeter, zuvor war Mert Kizilagil gelegt worden, einem Lattentreffer von Daniel Knoll und einer Großchance von Tim Kühnel, gaben die Gäste nicht klein bei. Das 3:2 von Marius Beiter war sauber herausgespielt, und diesmal hatte auch Milcic keine Chance.

Dass danach Marcel Sieber vom Platz flog (Bantle: „Erst Gelb wegen Ballwegschlagens, dann Gelb-Rot wegen einer Unsportlichkeit gegenüber dem Torwart – das war eine absolute Dummheit“), änderte nichts am Zitterspiel in der Schlussphase. Von der Überzahl war überhaupt nichts zu sehen, der knappe Vorsprung hing bis zum Ende der vierminütigen Nachspielzeit am seidenen Faden. „Wir hätten es nach dem 3:1 sauberer zu Ende spielen müssen“, haderte Thomas Siegmund. „Trotzdem ist das natürlich ein ganz wichtiger Sieg für uns.“ Und hilft seiner Mannschaft vielleicht, künftig wieder besser Fußball zu spielen.

SV Böblingen: Milcic, Sener (62. Fredel), Dodoli (71. Emirzeoglu), Kalmbach, Knoll, Kizilagil (85. Marques Moreira), Tchagbele (62. Kühnel), Hornung, Schragner, Frölich, Raich. Tore: 0:1 (11.) Michael Bantle, 1:1 (24.) Kizilagil, 2:1 (45.) Tchagbele, 3:1 (78. Foulelfmeter) Raich, 3:2 (80.) Beiter. Schiedsrichter: Packert (Reutlingen). Zuschauer: 166. Besonderes Vorkommnis: Gelb-Rot Sieber (VfB/81.) Unsportlichkeit.

Quelle: Kreiszeitung Böblingen