Bitterer Abend für die SV Böblingen in der Relegation um den Aufstieg in die Fußball-Verbandsliga Württemberg. In Ravensburg lag sie bereits mit 2:0 gegen den VfB Friedrichshafen vorne, unterlag dann aber noch nach Verlängerung mit 2:4. Damit spielen die Kreisstädter auch kommende Saison in der Landesliga, Staffel III.
SVB-Trainer Thomas Siegmund fiel es hinterher schwer, etwas zu sagen. „Vielleicht hätten wir das sogar über die Runden gebracht, wären die individuellen Fehler nicht gewesen“, spekulierte er.

Die SV Böblingen startete ohne Tim Kühnel, obwohl der auf der Fahrt an den Bodensee noch einen Wunderdoktor besucht hatte, um seinen Muskelfaserriss behandeln zu lassen, und Dejan Djordjevic, der nach dem 2:1 zuletzt in Darmsheim wegen eines Schleudertraumas einen Abstecher ins Krankenhaus machen musste. Der langzeitverletzte Marc Hetzel fehlte komplett, ebenso der gelb-rot-gesperrte Daniel Fredel. So bildeten Philip Kalmbach und Max Frölich die Innenverteidigung, während Fabian Schragner als Sechser auflief.

Diese taktischen Überlegungen waren jedoch schon nach knapp zehn Minuten wieder nichtig. Bei einer VfB-Ecke gingen viele Kicker zum Ball, dabei erwischte es Kalmbach, der mit einer ausgekugelten Schulter vom Feld musste. Djordjevic kam doch früher rein als erwartet und ging in den Sturm, wodurch Sascha Raich eins nach hinten rutschte. Schragner ging zunächst zurück ins Abwehrzentrum, tauschte dann nach einer eigenen Behandlungsunterbrechung aber doch wieder zurück, während Daniel Knoll diesen Job übernahm. „Der frühe Wechsel hat uns sicherlich nicht gutgetan“, räumte Thomas Siegmund ein.

Fußballerisch ging es nicht so sehr hin und her wie in Sachen Aufstellung. Die erste Hälfte war eher ereignisarm, beide Teams strahlten so gut wie keine Torgefahr aus. Die Böblinger bemühten sich um Spielkontrolle, schoben sich gegenseitig den Ball zu, ohne besonders risikoreich den Weg in die Tiefe zu suchen. Friedrichshafen lauerte auf Konter, probierte es nach Balleroberungen mit langen, hohen Pässen in den Rücken der SVB-Abwehr. Das wirkte vielleicht im Ansatz etwas gefährlicher, wurde aber selten aussichtsreich zu Ende gespielt.
Zwei grobe Schnitzer sorgen für eine unschöne Wendung

Brenzlig wurde es für Böblingen nur in der 6. Minute. Schragner wollte einen Freistoß schnell ausführen, traf dabei aber Knoll am Kopf. In der Folge steuerte Harun Toprak verfolgt von Alban Dodoli auf Torhüter Dominik Traub zu, zielte aber weit drüber. Kurz vor der Pause klingelte es aber doch. Mert Kizilagil legte auf Fabian Schragner zurück, der sich aus gut und gerne 30 Metern einfach mal ein Herz fasste und abzog. Der Schuss wurde lang und länger, bevor er schließlich im Eck einschlug (42.). Obwohl sie eigentlich keine richtige Torgelegenheit hatte, lag die SVB damit zum Ende des ersten Durchgangs mit 1:0 vorn.

Gleich nach Wiederanpfiff die nächste Umstellung: Dejan Djordjevic war nach seinem Schleudertrauma wohl doch noch nicht so auf der Höhe und wurde von Semih Emirzeoglu ersetzt. Was sich zunächst als Glücksfall erwies. Denn der Neue kombinierte sich im Duett mit Abdoul Goffar Tchagbele durch, ließ ein paar Friedrichshafener ins Leere rutschen und machte das 2:0 (46.). Ein Tor direkt vor, eines gleich nach der Pause – besser kann es aus psychologischer Sicht gar nicht laufen.

In der Tat sah es so aus, als wäre das die Vorentscheidung. Die Böblinger agierten nach hinten kompakt, alle halfen mit, ein Aufbäumen des VfB war nicht zu erkennen. Doch dann unterlief ausgerechnet Alban Dodoli, bis dahin die Zuverlässigkeit in Person, ein folgenschwerer Fehler. Seine verunglückte Kopfballrückgabe schnappte sich Sascha Hohmann und nahm das Geschenk zum Anschlusstreffer an (60.).

Als ob das nicht schon bitter genug gewesen wäre, patzte Unglücksrabe Dodoli erneut. Nachdem der Youngster über den Ball geschlagen hatte, hatte Sebir Elezi freie Bahn, passte noch nach innen zu Goalgetter Hohmann, dessen 2:2 wirklich keine Kunst mehr war. Bei Friedrichshafen sorgte das alles für die zweite Luft, bei den Böblingern ging die Tankanzeige rapide Richtung Reserve. Eine Behandlungspause jagte die nächste, Krämpfe hier, Schmerzen da, bevor auch noch Fabian Schragner wegen eines Muskelfaserrisses endgültig nicht mehr konnte und vom bereits angeschlagenen Tim Kühnel ersetzt werden musste.
Hinsichtlich der personellen Lage ein Spiegelbild der ganzen Saison

In der Verlängerung nahm das Unheil seinen Lauf. Und das hatte wieder denselben Namen: Sascha Hohmann. Kurz zuvor hatte es noch eine Aktion im VfB-Sechzehner gegeben, als Sascha Raich fair in die Zange genommen und vom Ball getrennt wurde, dann ging es schnell in die andere Richtung. Erneut war der flinke Elezi Vorlagengeber, die Böblinger hofften vergeblich auf Abseits. Im ersten Versuch wurde Hohmann noch geblockt, im zweiten netzte er zum 2:3 ein (93.) – Hohmann, oh Mann, oh Mann!

Als ob das noch nicht genug gewesen wäre, traf der Stürmer in der 114. Minute noch ein viertes Mal – der endgültige Knockout für die Böblinger, die auch noch eine ungerechtfertigte Rote Karte für Alban Dodoli über sich ergehen lassen mussten. Eigentlich hatte dieser seinem Gegner den Ball vom Fuß gespitzelt, der Schiedsrichter wertete es aber fälschlicherweise als Foul. Emirzeoglu humpelte nur noch über das Feld, Knoll plagte sich von einem Krampf zum nächsten, Kalmbach hatte den Arm inzwischen in der Schlinge. „Insgesamt war das Spiel ein Spiegelbild der Saison, vor allem, was die personelle Situation anbelangt“, meinte Thomas Siegmund nach so viel Verletzungspech.

SV Böblingen: Traub, Sener, Dodoli, Kalmbach (10. Djordjevic, 46. Emirzeoglu), Knoll, Kizilagil, Tchagbele, Schragner, (84. Kühnel) Frölich, Esteves (75. Mayer), Raich. Tore: 1:0 (42.) Schragner, 2:0 (46.) Emirzeoglu, 2:1 (60.) Hohmann, 2:2 (72.) Hohmann 2:3 (93.) Hohmann, 2:4 (114.) Hohmann. Besonderes Vorkommnis: Rot Dodoli (120./SVB) Notbremse. Schiedsrichter: Herbst (Nehren). Zuschauer: 700.
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Quelle: Kreiszeitung Böblingen