Alexander Kayser möchte neue Ideen einbringen
Der Saisonstart war wenig verheißungsvoll. Erst das unglückliche 2:3 im Pokal gegen Holzhausen, danach das blamable 0:2 bei Landesliga-Aufsteiger FC Rottenburg – bei den Fußballern der SV Böblingen herrscht Katzenjammer. Doch es gibt tatsächlich auch positive Nachrichten.
Von „so schlechten Vorzeichen wie noch nie“ hatte Trainer Thomas Siegmund vor Rundenbeginn gesprochen – und die letzten beiden Ergebnisse scheinen ihm Recht zu geben. Ob Besserung in Sicht ist, zeigt sich am Sonntag im ersten Heimspiel gegen den VfB Bösingen. Auf jeden Fall ist schon mal hinter den Kulissen einiges in Bewegung gekommen.

Gestatten: Dr. Alexander U. Kayser. 33 Jahre jung, den Doktortitel hat er als Ingenieur, tätig ist er deutschlandweit als Berater. Und seit der letzten Delegiertenversammlung gehört er dem Vorstand des Hauptvereins an, machte damals auch gleich Werbung für sein Strategie-Programm 2020, mit den Schwerpunkten Digitalisierung und Infrastruktur. „Außerdem bin ich zuständig für die Fußballabteilung, habe das quasi von Rudi Katz geerbt“, ergänzt er. Und musste gleich bei der ersten Sitzung des Gremiums feststellen, dass die Fußballer der SVB mit Argusaugen beobachtet werden. Zu Recht angesichts eines Schuldenbergs in sechsstelliger Höhe, der nicht nur dem Hauptverein und Geschäftsführer Harald Link großes Kopfzerbrechen bereitet, sondern auch die Abteilung in fast allen Bereichen lähmt, ausgenommen die Jugend und die Frauen. „Geld allein hilft da nicht, die Schulden auf Null zu stellen, würde keinen Sinn machen“, ist für Alexander Kayser klar. „Wir müssen die Ursachen bekämpfen.“

Im Vorstand stellte er einige Ideen vor – und erntete erstmal Skepsis. „Klar, da kommt plötzlich ein Junger daher, der alles weiß“, hat er Verständnis für die Bedenken. Er sagt aber auch: „Ich habe das Mandat bis Weihnachten und hänge mich voll rein.“ Die Finanzen sind für ihn gar nicht das große Problem, auch wenn sie aktuell voll auf die erste Mannschaft durchschlagen, weil das Geld nicht mehr für einen Co-Trainer und auch nicht für einen Physiotherapeuten reicht. „Die Ursache ist im Ehrenamt zu suchen“, haben für ihn die vielen Gespräche mit dem Geschäftsführer und den SVB-Fußballern ergeben. Ergebnis daraus: „Dieter Schneider ist als stellvertretender Abteilungsleiter der einzig Gewählte, steht mutterseelenallein auf weiter Flur und hat damit gar keine Chance, mehr zu erreichen.“ Ein Problem, das nicht ganz neu ist, bei den SVB-Fußballern in den vergangenen Jahren aber immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. „Deshalb müssen wir uns organisatorisch anders aufstellen“, weiß der 33-Jährige, „und dafür ist es allerhöchste Eisenbahn.“ Neu erfinden braucht er die Führungsebene dabei gar nicht. „Es geht um die klassischen Ressorts in einer künftig professioneller geführten Abteilung, das muss auch unser Anspruch sein.“ Dazu gehören Bereiche wie Sponsoring, Marketing, Finanzen, Spielleitung und Passwesen.

Erster Termin, an dem er sich messen lassen will, ist der 23. September, wenn nach einigen Jahren wieder eine Hauptversammlung ansteht. „Idee ist, dass wir uns an diesem Tag eine Satzung und Ordnung geben, in der klar geregelt ist, wer welche Aufgaben hat, mit direkter Koppelung an mich als Vertreter des Vorstands, der dafür auch den Kopf hinhält.“ Zweiter Schritt, und der soll parallel gemacht werden: „Wir sind unterwegs, um das Organigramm auch mit Köpfen zu füllen, wollen uns dabei konstant und positiv nach oben entwickeln.“

Bis zur Jahreshauptversammlung wird ihm das alles kaum gelingen, da gibt er sich keinen Illusionen hin. Aber: „Bis November möchte ich zwei, drei Leute gewinnen, richtige Zugpferde, die es möglich machen, dass die Abteilung nicht immer weiter rückwärts marschiert.“ Namen dafür hat er bereits im Kopf, sogar „ausgesprochene Wunschkandidaten“. Am Ende soll im Idealfall eine „gut funktionierende Truppe“ herauskommen, „in der keiner Angst haben muss, dass ihm immer mehr aufgebürdet wird, weil jeder sein ganz klares Aufgabengebiet besitzt“. Nur wenn dieser Anfang gelinge, „wenn wir diesen großen Hebel umlegen können, werden wir auch wachsen“. Ein ehrgeiziges Vorhaben und nach vielen Jahren vielleicht wieder eine Chance, den SVB-Fußball hoffähig zu machen. Für Alexander Kayser ist klar: „Die Spieler geben alles, haben das auch mit der Vizemeisterschaft und dem nur knapp verpassten Aufstieg in der vergangenen Saison bewiesen. Da können wir sie vom Hauptverein nicht so einfach hängen lassen.“

Quelle : Kreiszeitung Böblingen