Fakt ist, beide Teams haben fußballerisch sicher mehr drauf, als sie auf dem recht stumpfen Gärtringer Rasen an den Tag legten. „Die Hausherren haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht“, haderte SVB-Trainer Thomas Siegmund mit dem Spielverlauf und somit auch mit der Effektivität vor dem jeweiligen Gehäuse bei einem Chancenverhältnis von 5:5. Für sein Gegenüber Hanjo Kemmler war es zumindest vom Resultat her ein guter Tag: „In punkto Leistung gibt es sicherlich noch Luft nach oben. Aber was will ich mehr, als mit 3:1 zu gewinnen und den dritten Derbysieg in Folge einzufahren.“

Gleich die ersten zwei Minuten der Partie sollten Symbolcharakter für den weiteren Verlauf haben. Erst blockte FCG-Recke Besim Ramadani, der später wegen muskulären Problemen passen musste, einen Versuch von Simon Lechleitner ab, ehe sich im Gegenzug der großgewachsene Niklas Mayer bei einem langen Ball von Timo Theurer ordentlich verschätzte. Maikel Boric ließ sich nicht zweimal bitten und ließ aus neun Metern SVB-Keeper Dominik Traub mit einem trockenen Schuss keine Chance.

„Das spielte uns natürlich in die Karten“, so Kemmler. Die Gärtringer gaben weiter die Richtung vor und waren sechs Zeigerumdrehungen später bereits wieder erfolgreich. Nach einem heillosen Durcheinander in der Gästeabwehr beförderte Christian Mijic die Kugel Richtung SVB-Gehäuse, Leutrim Goxhuli machte zunächst alles richtig, schirmte den Ball gegen Tayfun Sener geschickt ab, doch nicht einmal einen halben Meter vor dem Ziel drückte er ihn, aus welchem Grund auch immer, vollends über die Torlinie. Der Treffer zählte folgerichtig nicht wegen Abseits.

Ob die Kreisstädter, die kurzfristig auch noch auf Daniel Knoll (Platzwunde) und Florian Mayer (Fersenprellung) verzichten mussten, mit einem solch schnellen 0:2 nochmals in die Spur gekommen wären? Nach und nach gestalteten sie die Begegnung ausgeglichen und hatten nicht nur ein optisches Übergewicht, sondern auch zweimal die Möglichkeit zum Ausgleich. Einen Freistoß von Endrit Syla drückte Sascha Raich (23.) per Kopf ins Netz, doch der Linienrichter hatte die Fahne oben. Eine zumindest strittige Abseitsentscheidung. Und nach 33 Minuten lenkte FCG-Keeper Jasar Köymen mit viel Dusel einen Versuch von Syla aus gut und gerne 25 Metern an die Latte. „Auch darin spiegelte sich der Spielverlauf wider“, wünscht sich Thomas Siegmund nichts mehr, als dass seine Mannen endlich den berühmten Bock umstoßen und zu der Leichtigkeit zurückfinden, die der Gegner nach 36 Minuten an den Tag legte. Einen blitzgescheiten Spielzug leitete Goxhuli weiter auf Julian Borgia, der nicht lange fackelte und auf 2:0 erhöhte.

Auch nach Wiederbeginn schien Hanjo Kemmlers Taktik („ich wollte, dass Böblingen das Spiel macht“) weiter aufzugehen. Bis zur 52. Minute: Emre Önal und sein Torhüter Jasar Köymen stellten sich bei einem harmlosen Dreikampf mit Abdul Tchagbele nicht besonders geschickt an, Köymen verhinderte nur per Foul Schlimmeres, beim fälligen Elfer von Sascha Raich war er machtlos – nur noch 2:1.
Konter aus dem Lehrbuch führt durch Boric zur Entscheidung

Danach passierte lange nichts mehr. Außer stupidem Mittelfeldgeplänkel hatte die Partie nicht viel zu bieten, beide Teams verstrickten sich in unnütze Zweikämpfe. Erst als sich die Gäste zu einer Schlussoffensive entschieden, kam wieder Leben in die Bude. In der 78. Minute kam der freistehende Sascha Raich die berühmte Stiefelspitze zu spät, dafür entschied der Spitzenreiter die Partie mit einem lehrbuchhaften Konter. Theurer und Timo Tropsch hießen die ersten Stationen, ehe Kevin Kemmler von der Grundlinie zurück auf Maikel Boric spielte, der keine Mühe hatte, den Ball zum 3:1-Endstand und seinem sechsten Saisontreffer über die Torlinie zu drücken. Womit das neue Gärtringer Sturmduo Boric und Borgia zusammen bereits auf neun Buden kommt, während die Böblinger noch auf ihr erstes Tor aus dem Spiel heraus warten.

„Böblingen ist und bleibt keine Laufkundschaft“, sprach Hanjo Kemmler dem Konkurrenten Mut zu für die nächsten Aufgaben. Der genauso notwendig ist wie das Quäntchen Glück, das es noch stärker als im Derby zu erzwingen gilt

FC Gärtringen: Köymen (2,5), Mijic (2), Borgia (2), Theurer (2), Önal (2), Ramadani (16. Buscaglia 2,5), Döbele (2), Goxhuli (2,5/66. Timo Tropsch 2), Boric (1,5/84. Atis), Gans (2), Emirzeoglu (2,5/66. Kemmler 2). SV Böblingen: Traub (2), Lechleitner (2), N. Mayer (3/57. Kizilagil 2,5), Fredel (2), Syla (2), Schragner (2), Frölich (2), Raich (1,5/86. Mikulic), Sener (2), Dodoli (2/86. Baumeister), Tchagbele (3/73. Bushaj). Tore: 1:0 (2.) Boric, 2:0 (36.) Borgia, 2:1 (52. Foulelfmeter) Raich, 3:1 (78.) Boric. Schiedsrichter: Streckenbach (Reutlingen). Zuschauer: 250. Bewertung: 1 = starke Vorstellung, 2 = Licht und Schatten, 3 = schlechter Tag.

Quelle : Kreiszeitung Böblingen