SpVgg Holzgerlingen freut sich über das 0:0, für die SV Böblingen ist das Unentschieden zu wenig
Die Voraussetzungen für ein rassiges Flutlicht-Derby in der Landesliga, Staffel III, waren gegeben. Das Wetter hielt, über 500 Zuschauern sorgten auf dem Kunstrasen für eine tolle Kulisse, doch dann geizten beide Mannschaften mit dem eigentlich Wichtigsten beim Fußball – den Toren.
Das 0:0 ist für die SpVgg Holzgerlingen auf jeden Fall ein Achtungserfolg, für die SV Böblingen ist dieses Unentschieden im Meisterschaftsrennen hingegen zu wenig. Auch wenn Trainer Thomas Siegmund hinterher meinte: „Mit dem Punkt kann ich leben.“ Der Rückstand auf Tabellenführer Pfullingen kann am Sonntag auf fünf Punkte anwachsen, dazu kommt das deutlich schlechtere Torverhältnis.

„Mit der Leistung bin ich zufrieden“, schaute Gäste-Trainer Martin Oßwald, der viele Jahre das SVB-Trikot getragen hat, ganz zufrieden drein. „Wir waren viel unterwegs, haben wenig zugelassen, die Laufbereitschaft hat gestimmt.“ Dass die Holzgerlinger ihre Konter nicht immer sauber zu Ende spielten, lag zum einen an der aufmerksamen SVB-Abwehr, die sich ebenfalls keine Blöße gab, andererseits aber auch an dem hohen Aufwand, den sie in der Defensive leisten mussten.

Man konnte mitunter den Eindruck gewinnen, beide Teams scheuten das Risiko. Was nicht nur an der Angst vor einem Gegentor lag, sondern auch am gegenseitigen Respekt voreinander. In der gefährlichen Zone passierte daher recht wenig. „Kein so chancenreiches Spiel“, erkannte dann auch Thomas Siegmund richtigerweise. Das 0:1 aus dem Hinspiel hatte offenbar doch größere Spuren hinterlassen

Die erste nennenswerte Aktion resultierte aus einem Freistoß der Gäste. Enzo Marcheses Schuss landete in der Mauer, den Abpraller brachte Marco Bernhardt Richtung zweiter Pfosten. Der gewiss nicht leicht zu nehmende Volley des aufgerückten Steffen Wagner hätte auch genau gepasst, aber SVB-Keeper Dominik Traub bewies seine Reaktionsschnelligkeit (9.). Zwei Minuten später steckte Daniel Fredel zu Sascha Raich durch, der sich aus spitzem Winkel statt eines Abschlusses für eine Hereingabe entschied, in der Mitte aber nur Holzgerlinger fand.
Sascha Raich hat Pech mit seinem Kopfball an die Lattenunterkante

Eine Szene, die irgendwie symptomatisch war. Die SpVgg schaffte es immer wieder, rechtzeitig hinter den Ball zu kommen, trat diszipliniert auf, war stets eng am Mann und bildete dadurch fast eine grüne Wand. Die Böblinger versuchten es mit ihrem Kurzpassspiel, meist über die beiden Daniels Knoll und Fredel sowie Sascha Raich, sich irgendwie da durchzukombinieren, schafften das aber nur selten. Ohne den Langzeitverletzten Marc Hetzel, den gesperrten Tim Kühnel und den angeschlagenen Dejan Djordjevic fehlte an vorderster Front einiges an Tempo. Torgefährlich war eigentlich nur Sascha Raich – und gegen die „Hotze“-Übermacht war das zu wenig.

Nach gut einer Viertelstunde hätte dennoch Sascha Raich einnetzen können. Nach einer Flanke von Cedric Hornung schlug er im Sechzehner noch einen Haken, fand aber seinen Meister im stark reagierenden Malte Bonertz, der blitzschnell die Pranke hochriss. Und auf der anderen Seite? Marchese und Julian Rubin zelebrierten in der 19. Minute das Doppelpassspiel, doch Letzterer stand bei seinem Schuss ans Außennetz im Abseits. Immerhin nett anzuschauen. Als Daniel Fredel einen Geistesblitz hatte und Raich futsaltypisch per Lupfer einsetzte, eilte Bonertz aus seinem Kasten, war auch eher am Ball und bekam einen Freistoß (25.). Auch für die Gäste erwies sich der Unparteiische kurz darauf als Spielverderber. Daniel Tremmel stibitzte Traub bei einem Abwurf nicht ganz regelkonform die Kugel aus der Hand, Marco Quaranta bugsierte den Ball ins leere Tor, aber ein Pfiff erstickte den Jubel im Keim. Die Aktion von Tremmel war nicht ganz astrein, Proteste gab es keine (30.).

Bis zum Halbzeitpfiff wurde es nur noch andeutungsweise brenzlig. Tayfun Sener klärte einen Gassenball auf Marco Bernhardt im letzten Moment, auf der anderen Seite köpfte Steffen Wagner den Ball noch vor dem dahinter lauernden Sascha Raich weg. Das war’s dann schon in den ersten 45 Minuten. Und es sollte auch danach nicht viel aufregender werden. Die Partie war nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut, weil der Weg in die Strafräume oft versperrt war. Nach 48 Minuten zog Daniel Knoll einen Freistoß Richtung Tor, Freund und Feind verpassten, doch der Ball trudelte am Kasten von Malte Bonertz vorbei. Vier Zeigerumdrehungen später: Einen klugen Rückpass von Julian Rubin nahm Enzo Marchese am Sechzehner mit der Innenseite blank, fand aber in Traub seinen Meister.

Danach passierte bis zur 75. Minute nicht mehr viel. Bis Sascha Raich eine Ecke von Daniel Knoll an die Unterkante der Latte setzte. Eine Szene, die „Hotze“-Trainer Martin Oßwald kurz in Wallung versetzte: „Das hat mir nicht gefallen, dass er fünf Meter vor unserem Tor so frei zum Kopfball kommt.“ Es wäre genau die eine Situation gewesen, auf die Böblingen so geduldig hinarbeitete.
Oßwald: „Die Tore haben gefehlt – und damit auch die Emotionen“

Als Knoll aus 16 Metern Maß nehmen wollte, waren sofort drei Holzgerlinger wie die Kletten an ihm dran und verhinderten den Abschluss (80.), auch die Freistoßchance von Fabian Schragner und Max Frölich blockten sie mit großem Einsatz ab (87.). Auf der Gegenseite kam Marco Quaranta überraschend zum Schuss, doch der Ball segelte gut einen halben Meter über den Querbalken (82.). Die letzte Möglichkeit bot sich Steffen Wagner. „Los, mach das Ding“, forderte ihn sein Trainer von draußen lauthals auf. Weil er genau weiß: „In solchen Situationen ist er eine Maschine.“ Wagner flog auch ohne Rücksicht auf Verluste in eine Ecke, kam aber nicht an den Ball.

Dann war Schluss. 0:0. Und wie Martin Oßwald ganz richtig feststellte: „Die Tore haben gefehlt – und damit auch die Emotionen. Für die Zuschauer war das sicher ein bisschen schade.“ SV Böblingen: Traub (1), Sener (2), Dodoli (1,5), Kalmbach (2/73. Schilling 2), Fredel (1,5), Mayer (2/71. Emirzeoglu 1,5), Knoll (1,5), Hornung (2/66. Esteves 2), Schragner (1,5), Frölich (1), Raich (1,5). SpVgg Holzgerlingen: Bonertz (1), Rubin (1,5/90.+1 Colmsee), Conforti (2), Bernhardt (2), Tremmel (2/80. Orifiamma), Quaranta (2), Rogers (1,5), Heß (2/41. Koch), Wagner (1), Marchese (2), Ewald (1,5). Schiedsrichter: Hofheinz (Niefern). Zuschauer: 500. Bewertung: 1 = starke Vorstellung, 2 = Licht und Schatten, 3 = schlechter Tag.

Quelle: Kreiszeitung Böblingen